Montag, 27. Juli 2026

Mediale Ängstigung

 

Täter und Opfer

geschrieben am Sonntagvormittag 26.07.2026 

Als Gerichtsreporter habe ich gelernt, Täter und ihre Motive ernst zu nehmen. Sie waren bei der Beurteilung von Schuld  stets zu berücksichtigen. Das ist kein Gutmenschen-Gerede, sondern geht zurück auf die Tradition des besten deutschen Gerichtsjournalismus, auf Paul Schlesinger (Sling) und seine viel beachteten Reportagen in den zwanziger Jahren.

Vor hundert Jahren also ist die Tradition begründet worden, an die ich erinnern will – gerade jetzt.

Den ganzen Sonntagvormittag schon wird mir erzählt, wie abscheulich der Fahrer gehandelt hat, der seinen Wagen in einen Aufzug der Christopher-Street-Day-Leute (CSD) fuhr. Die Gelegenheit wird genutzt, um mir zu erklären, dass die Minderheit der Queeren den Inbegriff dessen darstelle, was die Mehrheit  unserer  Rechtsgemeinschaft zu akzeptieren habe. Das ist eine Unwahrheit. Wer in unserem Land lebt, muss sich danach richten, was im Grundgesetz steht (ich habe sämtliche Ausgaben, von der frühesten an.)

 Der wichtigste, nie zu verändernde Satz schützt die Würde des Menschen. Auch die Würde von Tätern. Es hat aber niemand die Frage aufgeworfen, was es für den Angehörigen einer gottesfürchtigen Kultur bedeutet, Straßendemonstrationen von Menschen mit ansehen zu sollen, die den Individualismus bis zum Anarchismus treiben.

Wohin Anarchismus führen und wozu er ver-führen kann, habe ich während der Endsechziger Jahre miterlebt. Nur das nicht noch einmal. Ich bin ein Linker, kein Anarchist. Nein, nicht jeder kann und soll für sich entscheiden, was die Mehrheit akzeptieren muss.

Die eitle Zurschaustellung queeren Selbstgenusses finde ich nicht angenehm. Ich schaue weg. Und das ist mein gutes, verbrieftes Recht – auch wenn es in den Kommentaren heute im Fernsehen als verfassungsfeindlich denunziert wurde. Ich bin kein Verfassungsfeind, wenn ich die Verfassung verteidige.

Kommentatoren wollen uns einreden, uns drohe eine Diktatur der Heterosexuellen. „CSD statt AFD“, so wird das politisiert und damit zur einem Werkteil von Parteipropaganda.

Die Öffentlich-Rechtlichen haben mir heute wieder einmal  Angst gemacht. Der Einzeltäter mag durchgedreht sein. Hochbezahlte Kommentatoren tun, was sie tun, in voller Absicht.

 

Michael Molsner

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen