Freitag, 16. Januar 2026

Jeder weiss es

 

Offenes Geheimnis

 Jeden Tag ein Wust von Problemen. So scheint es. Doch tatsächlich haben wir nur ein einziges Problem. Trump weiß es. Putin weiß es. Xi Jinping weiß es. Verflixt nochmal, selbst ich weiß es. Es ist ja auch durchaus kein rätselhaftes Phantasma. Nein, jeder vernünftige Mensch ist sich völlig darüber im klaren, dass ein Atomkrieg vermieden werden muss.

Daraus folgt: Es ist Unsinn, Russland derart zu bedrängen, dass es sich schließlich nur noch durch seine nuklearen Waffen vor völliger Zerstörung schützen kann. Diese ist jedoch beabsichtigt. Sowohl Nato wie EU wie die westeuropäischen Kernstaaten haben ein einziges Ziel, auf das sie sich einigen können. Es ist die Kontrolle der Russischen Föderation durch Beseitigung seiner führenden Personen und die Übernahme seiner Institutionen.

Sowohl Nato wie EU wie die europäischen Kernstaaten müssen entmachtet werden, meint der US-amerikanische Präsident Donald J. Trump. Zu Beginn des vorigen Jahres hat der Vizepräsident J.D.Vance den europäischen Staaten bei der Sicherheitskonferenz in München vorgehalten, sie seien keine Demokratien. Sein Vorwurf war ebenso klar wie berechtigt. Wenn Regierungen gewählte Oppositionsparteien von parlamentarischer Mitwirkung ausschließen, sind die regierten Staaten keine Demokratien. Es sind  Autokratien, Oligarchien – wie immer man es nennt; in Demokratien jedenfalls hat die Wählerschaft in festgelegten Abständen die Möglichkeit, die Zukunft ihres Landes mitzubestimmen.

Das ist in den meisten westeuropäischen Staaten und in der EU nicht möglich.

In Deutschland ist die meistgewählte Partei von Verbot bedroht, ihre Vertreter sogar von körperlicher Gewalt. In  Frankreich ist die Vorsitzende der meistgewählten Partei unter Anklage gestellt und verurteilt. In den Niederlanden wird ein populärer Politiker von Regierungsämtern fern gehalten. Das alles geschieht mit der Begründung, die Demokratie müsse vor Faschisten geschützt werden.

Mit Selbstlegitimierung erklären sich die angeblichen Antifaschisten zu den Guten, die Bekämpften zu den Bösen. Auch außenpolitisch. Wir seien die Guten, wird uns eingeredet, weil wir die Ukraine aufgerüstet haben, um die Russische Föderation unter Kontrolle zu bekommen.

Trump geht davon  aus, dass niemand zu den Guten gehört, der einen Nuklearkrieg riskiert. Ist es denn nicht eine Selbstverständlichkeit? Nicht ein Erfordernis rettender Ehrfurcht des Menschen vor sich selbst? Eine Schuldigkeit gegenüber den Generationen, die uns Kunst und Zivilisation überliefert haben? Gegenüber dem Kind in der Krippe?

Michael Molsner

Samstag, 3. Januar 2026

Werden wir unglaubhaft?

 

1

Werden wir unglaubhaft? Die Gefahr besteht. Auf der Titelseite seiner Ausgabe vom 1. Oktober 2022 kündigt der Economist, ein weltweit als seriös geltendes Informationsmagazin, einen Beitrag über den chinesischen Präsidenten Xi Jinping an – und die Bedrohung, die er für China und das Ausland darstellt. „He is posing a challenge to the American-led order that the world should resist.“ So in einer Zusammenfassung. Übersetzt heißt das, es sei der Präsident Chinas, der die westliche Weltordnung herausfordert. Mit dieser Darstellung streift das Magazin die Grenze zur Unglaubwürdigkeit. Seine Leser wissen, dass die Amerikaner selbst es waren, die das Weltvertrauen in ihre Führung in Frage gestellt haben.

Zuletzt in Afghanistan, zuvor im Irak haben sie eine blutige Spur hinterlassen. Wer rechnet den Schaden zusammen und zählt die Toten, wer die vernichteten Ernten? Und wer die Lügen der Kriegspropaganda? Auf der Südhälfte des Globus hat wohl kaum jemand vergessen, dass der US-Präsident Joe Biden sagte, die Errichtung einer rechtsstaatlichen Demokratie sei nie das Ziel des Krieges gewesen, der zwanzig Jahre lang geführt werden konnte, weil die Rüstungsfirmen daran verdienten und die afghanischen Präsidenten teils bestochen und teils getäuscht wurden.

Nicht Xi Jinping hat den Glauben an die guten Absichten der amerikanischen Führung zerstört. Dafür haben die Amerikaner niemanden gebraucht. Sie haben es alleine fertiggebracht, dass bedeutende Staaten in Afrika und Asien sich weigern, die Alleinschuld am Krieg in der Ukraine beim russischen Präsidenten zu suchen.

Es ist ein ebenso spannendes wie gefährliches Drama, das auf der Weltbühne aufgeführt wird. Wladimir Putin ist die Rolle des Bösewichts zugedacht. Held ist der jeweilige Vertreter der „American-led order“, er allein kann und darf die Maid mit Namen Weltherrschaft heimführen – glaubt er ganz fest. Der Bösewicht aber behauptet, dass er vom angeblichen Helden, der gar keiner sei, nur missbraucht wird, um den Hochflug des Drachen zu kontrollieren.

Dass der Krieg in der Ukraine nicht der Errichtung einer rechtsstaatlichen Demokratie dort gilt, so wenig wie es in Afghanistan darum ging, ist nicht neu. In meinem Taschenbuch WIDERSPRUCH ERZFEIND RUSSLAND habe ich diesen Verdacht bereits 2014 zu äußern gewagt und begründet.

Die zweite Oktoberwoche 2022 hat mit der Bekanntgabe der zuständigen Behörde begonnen, dass die Staatsschuld der USA eine kritische Marke überschritten hat. Sie ist auf über 31 Trillionen Dollar gestiegen (Billionen sagen wir in unserer Sprache). Der Wert nähert sich der vom Kongreß bewilligten Schuldenobergrenze. Müsste sie noch einmal erhöht werden, hängt die neuerliche Zustimmung von der Verteilung der Stimmen nach den Zwischenwahlen Anfang November ab. Verliert Präsident Biden beide Häuser, so muß er damit rechnen, dass republikanische Senatoren und Abgeordnete seine Finanzierungsprogramme ablehnen. Die Erhöhung der Schuldenobergrenze würden sie an drastische Ausgabenkürzungen binden und ohne sie nicht genehmigen.

Die schuldenfinanzierte Unterstützung der Ukraine wäre dann durch die Europäer allein zu stemmen, weil seitens der USA nicht mehr finanzierbar. Eine geopolitische Niederlage. Die Wiederwahl Joe Bidens 2024 wäre abzuschreiben. Einen anderen Präsidentschaftskandidaten hat die Demokratische Partei derzeit aber nicht. Donald Trump ante portas. Er wartet das Ergebnis der Zwischenwahlen ab, bevor er seine Kandidatur 2024 für eine zweite Amtszeit als Präsident erklärt.

Damit die Inflation nicht weiter steigt, muss der Preis für Öl und Gas sinken. Die Präsidenten der USA und Frankreichs, der deutsche Bundeskanzler Scholz, auch Italien und Spanien, haben Saudi-Arabien gedrängt, die Ölförderung spürbar zu erhöhen. Bei steigendem Angebot müsste der Preis auch an den Tankstellen nachlassen. Das wäre dringend erwünscht gewesen, ließ man die Förderländer wissen.

Bei einer Präsenzkonferenz in Wien, zu der auch der russische Energieminister anreiste, haben die Mitglieder der Opec-plus, Araber plus Russland, statt dessen eine spürbare Drosselung der Ölförderung und damit das Steigen der Preise an den Weltmärkten für Energie angekündigt.

Es war nicht unbedingt zu erwarten. Vor einiger Zeit hatte dasselbe Gremium eine wenn auch geringe Erhöhung der Ölförderung angekündigt. War wohl als Geste gedacht. Nach der Sabotage an den Pipelines der Ostsee nun also die deutlichere Geste. Wer die Logistik der Lieferanten angreift, bekommt von diesen, und zwar gemeinsam von allen, die Antwort. Heute zerstört ihr die Logistik der Russen, morgen könnte jeder von uns dran sein. Nicht mit uns, Herrschaften!

Die Inflation wird also nicht sinken, sondern steigen. Da die Europäische Kommission zugleich ein neues Sanktionspaket gegen Russland auf den Weg bringt, um den Ölpreis zu deckeln, und damit Investoren nicht ermutigt, sondern abschreckt, muss die Inflation auch durch die Brüsseler Initiative die falsche Richtung nehmen.

Die Drosselung der Ölförderung tritt im November in Kraft, noch vor den Brüsseler Sanktionen, die erst im Dezember greifen sollen.

Joe Biden steht vor einer Situation, die von Experten als sehr schwierig bezeichnet wird. Die Option, Russlands Grenzen angreifen zu lassen, liegt nahe. Es ist seit langem medial vorbereitet:

Russland habe kein Recht auf die Grenzen, die es beansprucht.

Sieht der neue Zar oder gar Dschingis Khan, als der Putin dargestellt wird, sein Reich gefährdet, das er in unbegreiflicher Machtgier verteidige, statt es für demokratische Reformen zu öffnen, so werde er gegen die westlichen Waffen nuklear bestückte Raketen einsetzen müssen.

Im Handelsblatt ist nachzulesen, was das bedeutet. Putin wäre der Pariah der Weltgemeinschaft.


Mittwoch, 31. Dezember 2025

Gute Vorsätze zum neuen Jahr

 Ich prüfe mich selbst. Sehr streng, wie üblich. Bin ich ein Angstmacher oder Schwarzmaler? Vor solchen warnt unser B-Kanzler in seiner Neujahrsansprache. Nein! Bin ich nicht. Habe aber anscheinend die falsche Kristallkugel. Ab in die Tonne damit, ich kaufe mir eine neue. Auch die Tarotkarten wechsle ich. Neuer Packen kommt auf den Tisch. Schmerzlich wird für meine empfindsame Seele der Abschied von meiner Wahrsagerin, sie ernährt ihre Familie mit Honoraren. Kamma nix machen. Muss sein. Wir leben sicher! Russland ist böse und an allem schuld. Keine Angst, keine Angst, Ros'marie!

Dienstag, 30. Dezember 2025

... in ihren Hals hinein

 

Expertensprech


Einen „Experten“ hörte ich gestern (29. 12. 2025) im Fernsehen sagen: Russlands Imperialismus sei älter als die Ukraine-Krise. Das habe Trump nicht verstanden und deshalb durchschaue er Putin's Machtspiele nicht. Russland sei imperialistisch, daran werde auch eine Niederlage der Ukraine nichts ändern, auf die manche Putin-Versteher bereits hofften.

Also, wenn der Experte zurückgeht bis zu Dschingis Khan, dann hat er etwas.

In jüngerer Zeit allerdings war es der deutsche Imperialismus, der zwei Weltkriege verursacht hat. Russland war das Opfer eines deutschen Überfalls – nicht umgekehrt.

Zuvor hat Frankreich unter Napoleon Russland angegriffen.

Russland war also dreimal Opfer westeuropäischer und zweimal deutscher Imperialisten. Es ging den Tätern tatsächlich um Imperien.

1941 wollte Deutschland das Dritte Reich für alle Zukunft absichern.

Der deutsche Angriff im August 1914 galt der Stabilisierung unseres Kaiserreiches.

Napoleons Vielvölkerarmee marschierte in Moskau ein, um das französische Kaiserreich gegen großbritannische Seeblockaden zu schützen.

Drei europäische Imperien. Sie glaubten, ohne Eroberung Russlands nicht überdauern zu können. Sie haben recht behalten.

Alle Beteiligten haben mit furchtbaren Opfern bezahlt. Deutschland sogar mit seiner Ehre.

Franklin D. Roosevelt äußerte sinngemäß, als man ihm die Massenmorde der deutschen Wehrmacht und der SS nachwies: „Die Deutschen werden erst noch lernen müssen, was menschlicher Anstand ist. Wir müssen ihnen einen Schlag versetzen, den sie in zwei Generationen nicht vergessen.“

Der Schlag ist versetzt worden. In meiner Generation ist manch einer darunter zerbrochen. Gespürt haben wir alle den Schlag, ich spüre ihn immer noch.

Doch Zeit ward alt. Bald lebt kein Mann, ob er je kommt, das weißt du nicht, der dies Gesicht noch sehen kann.“

Auf ein Neues also.

Das ist möglich, weil ein immer größer werdender Teil der Wahlberechtigten jung ist. Jung genug, um sich einreden zu lassen, was direkt gelogen ist. Sie nehmen für bare Münze, was ein Leitmedium meldet. Warum sollten hochbezahlte Moderatoren oder „Experten“ zynisch lügen? Das klingt doch wirklich unwahrscheinlich.

Doch es ist gang und gäbe.

Meine Frau und ich sind Jahrgang 1945/1939. Zu alt, um noch wirkmächtig gegen die Verbreitung von Lügen kämpfen zu können. Wir appellieren daher an die noch kampffähigen Wahlberechtigten zwischen 25 und 75 etwa, die Plätze in der Kampffront für Wahrhaftigkeit einzunehmen, die wir verlassen müssen. Lasst unsere Mühen nicht vergeblich gewesen sein!


Michael Molsner

Samstag, 27. Dezember 2025

Europa und sein Machthaber

 

Europa und sein Machthaber

 

Europa spricht eine Sprache die wir nicht verstehen. Nur wenige haben diese Sprache gelernt. Es ist nicht eine der verbreiteten wie Englisch, Französisch. Dennoch wird sie weltweit verstanden. Auch in China, USA, Russland – überall. Der Mann, der alle Welt in dieser Sprache anredet, muss wohl sehr wichtig sein.

Konzentrieren wir uns auf Westeuropa. Das Land, das von diesem Mann regiert wird, gehört nicht der Europäischen Union an, dennoch verlangt er von allen wichtigen Mitgliedern der EU, was sein Land braucht, um existieren und kämpfen zu können. Und er bekommt alles. Widerstandslos.

Der Staat, den er vertritt, gehört nicht dem Nordatlantischen Verteidigungsbündnis NATO an. Dennoch besucht er deren Hauptquartier und Leitung regelmäßig und fordert, was sein  Staat braucht, um sich verteidigen zu können. Er bekommt es.

Fotografien dieses Mannes  erscheinen täglich auf allen Plattformen, die ich einschalte – allen. Er sagt, er besuche dieser Tage den US-Präsidenten Trump. China versichert ihm, Russland nicht mit Kriegsmaterial zu unterstützen. Es gibt nur wenige Staatslenker, die Beziehungen mit ihm ablehnen.

Dass er unglaublicher Korruption überführt ist, wird von unseren Medien selten erwähnt, meist verschwiegen. Die ungeheuren Milliardensummen, die wir Westeuropäer seinem Staat übergeben haben, sind auf Konten gelandet, die wir nicht kennen. In welchen Taschen die Milliarden verschwinden, die wir aktuell zusagen, scheint uns nicht zu interessieren. 

Was tut dieser Mann, dass er mit einem solchen Ausmaß an Vertrauen rechnet? Er sagt, er bekämpfe unsern Hauptfeind. Als unser Hauptfeind wird „Putin“ bezeichnet. Das ist unseren  medialen und politischen Entscheidern recht. Sie nehmen diese Nachricht mit leidenschaftlicher Beifälligkeit auf.

Besagter Machthaber hat wehrfähige junge Männer nicht einziehen müssen. Er hat sie nach Europa geschickt, um die biologische Substanz seines Volkes zu erhalten.Wir haben sie in unsere Sozialsysteme eingegliedert.

Für uns werden die Sozialsysteme herunter gefahren, zu teuer, heißt es. Das Geld, das uns fehlt, haben wir dem Machtapparat des Staates zur Verfügung gestellt, dem wir vertrauen.

Der Grund ist leicht zu erkennen. Es wird öffentlich erklärt, Russlands aktuelle Regierung müsse gestürzt werden. Besonders der Präsident. Sobald dieser beseitigt wäre, käme ein  Nachfolger in Moskau an die Macht. Dass dieser sich der nuklearen Abwehr bedienen würde, ist angekündigt.

Die Aufrüstung westeuropäischer Staaten wäre dann einer ängstlichen und widerstrebenden Wählerschaft leichter zu vermitteln.

Bankrotte Staaten suchen in Aufrüstung und Krieg Auswege. Innere Zerrüttung kann durch den Ruf zur Fahne überwunden werden.

Das lehrt die Geschichte. Nicht nur unsere eigene, deutsche.

 

Michael Molsner

Freitag, 19. Dezember 2025

Wer weiß etwas?

 

Kriegsgewinnler


Die Frage ist, wer von der Fortsetzung des Krieges profitiert. Ich denke NICHT an die platt-linken Anklagen der Rüstungsindustrie, die sind lächerlich. Nein, es kommt auf die großen Investoren an, Blackrock und Blackstone sind die bekanntesten. Aber es gibt auch französische, italienische usw.; die kennen wir nicht, sind selten im Gespräch. Alle verwalten nicht etwa nur Billionen, denen geht es um Trillionen Kapital, die um den Globus geschickt werden.

Ich nenne hier Blockrock nur als Beispiel: der Investor verspricht seinen Anlegern Gewinn aufs eingesetzte Kapital. Nun hält Blackrock aber Aktienpakete in jedem Dax-Konzern. Ist es für den Investor günstig, wenn wachsende Schuldenlasten unseres Staates zwecks Finanzierung eines nicht endenden Krieges unsere Wirtschaft schrumpfen lassen? Von Norbert Bolz hörte ich im Fernsehen: Unsere Wirtschaft ist schwächer als jemals seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Wie reagieren darauf die großen Investoren? Mit immer mehr Vertrauen in wachsende Gewinne bei uns? Mit immer weiter erhöhtem Kapitaleinsatz?

Ich glaube, dass die Analyse dieser Zusammenhänge meine Kompetenz bei weitem übersteigt. Wer weiß so etwas? Wer spricht oder schreibt darüber?


Michael Molsner


Mittwoch, 17. Dezember 2025

Herzenssachen

 

Jubel des Herzens
Von Michael Molsner
„Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“ Jeder werde einmal, vielleicht sogar dann und wann, von dieser Frage gestreift, lese ich. (Martin Heidegger, Einführung in die Metaphysik, 1935). Etwa in einer großen Verzweiflung, wo „jeder Sinn sich verdunkelt“, wie nach der Katastrophe des verlorenen 1. Weltkriegs 1919 in Deutschland. Oder in einem Jubel des Herzens, „weil hier alle Dinge verwandelt und wie erstmalig um uns sind, gleich als könnten wir eher fassen“, dass sie nicht wären, als dass sie so sind, wie sie sind.
Er war 1924 der jungen Hannah Arendt begegnet.
Sie musste sich nach zwei Jahren von dem verheirateten Geliebten trennen, vorerst räumlich. In ihrem Abschiedsbrief schreibt sie: „Bitte vergiss mich nicht. Und vergiss nicht, wie sehr und wie tief unsere Liebe der Segen meines Lebens geworden ist.“
Hannah hatte neben Philosophie bei Heidegger auch Theologie studiert, sie kannte die Bedeutung des Begriffs.
Segen bezeichnet in vielen Religionen ein Gebet, einen Ritus, wodurch Personen oder Sachen Anteil an göttlicher Kraft oder Gnade bekommen sollen. Der christliche Begriff Segen, fachsprachlich auch Benediktion, entspricht dem lateinischen Wort benedictio, abgeleitet von benedicere aus bene ‚gut‘ und dicere ‚sagen‘, also eigentlich ‚von jemandem gut sprechen, jemanden loben, preisen‘. Ziel des Segens bzw. Segnens (lateinisch signandum) ist die Förderung von Glück und Gedeihen oder die Zusicherung von Schutz und Bewahrung.
Was die Bewahrung betrifft, die war ernst gemeint. Mit 44 Jahren kehrt Hannah nach Deutschland zurück. Als Jüdin hatte sie emigrieren müssen und viele Freunde verloren. Heidegger hatte sich zur Hitler-Partei bekannt. Wollte, konnte, durfte sie ihn wiedersehen? „Ich bin ratlos“, gestand sie ihrer besten Freundin Mary McCarthy („Die Clique“, Roman). Und bat: Bitte hilf mir. Rate mir.
Die Freundin telegrafierte – und in der Antwort scheint ein Lachen mitzuklingen: „Du bist ja immer noch verliebt wie ein Schulmädel. Geh hin, um Gotteswillen!“
Sie trifft ihn am Abend ihres Eintreffens in Freiburg, wo er jetzt wohnt, und sie bleiben die Nacht über zusammen. Anderntags schreibt sie ihm: „Diese Nacht ist die Bestätigung eines ganzen Lebens, eine völlig unerwartete Bestätigung.“ Sie habe zuerst aus Stolz gezögert und weiss jetzt, hätte sie diesem Stolz nachgegeben, so hätte sie ihr Leben „verwirkt“.
Verwirkt - der Begriff erreicht uns aus sehr alter Zeit, als schwere Verbrechen die Abwendung von Gottes Gebot bedeuteten. Er bedeutet, jemand hat eine Missetat begangen, für die er den Tod verdient.
Hannah schreibt Heidegger, sie hätte sich selbst verloren, hätte sie das Versprechen ihrer jungen Jahre nicht gehalten: Den Jubel ihrer beider Herzen nicht treu bewahrt.