Montag, 9. Mai 2022

Weltkrieg

Weltkrieg erkennen Wann ein Weltkrieg beginnt, ist nicht für jedermann leicht zu erkennen. Als Japan die chinesische Mandschurei besetzte, erkannte Josef Stalin darin den Beginn des neuen Weltkrieges – des Zweiten. Das war 1931. Als Vorsitzender und Sprecher des Zentralkomittees der regierenden Kommunistischen Partei sagte er, Japan werde sein hochentwickeltes industrielles und militärisches Potential einsetzen, um durch weitere Eroberungen im indopazifischen Raum seine strategische Position (damals gegenüber England) und Rohstoffe sowie Arbeitskräfte zu gewinnen. Bereits 1935 rechnete er damit, dass auch Deutschland seine industriellen und militärischen Möglichkeiten für Eroberungen nutzen werde. Beide Staaten fühlten sich durch die Friedensverträge nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg unerträglich benachteiligt und würden unbedingt bestrebt sein, ihre ehemaligen Machtpositionen wiederherzustellen. Die imperiale Weltsicht Japans sei zusammengefasst in dem Slogan „Schwache sind Fleisch, Starke essen“, las ich dieser Tage in einem Bericht, den ich vor Jahren schon archiviert hatte. Dass auch das Deutsche Reich von imperialistischen Grundsätzen durchdrungen war, unterliegt gewiss keinem Zweifel. Das deutsche wie das japanische Militär wurde von Imperialisten geführt. Auch die Endländer waren geschwächt und verschuldet aus dem Ersten Weltkrieg hervorgegangen. Stalin war sich ab 1935 sicher und vertrat diese Position wiederum als Sprecher des ZK der KPDSU vor der Duma, dass England versuchen würde, Russland und Deutschland gegeneinander zu hetzen und die Beute an sich zu reißen. Diese selbe Position noch in demselben Jahr hat Winston Churchill vertreten und für so riskant gehalten, dass er seine Regierung, der er nicht mehr angehörte, dringend dazu aufrief, sich militärisch für einen Krieg zu rüsten. Als 1936 der faschistische Putsch gegen die spanische Regierung vom Deutschen Reich unterstützt wurde, erkannte Stalin darin den Zugriff Deutschlands auf den afrikanischen Kontinent und seine Reichtümer. Diese These wurde von Mussolini bestätigt, als er 1941 in Abessinien einmarschierte – und das Reich nötigte, den geplanten Vormarsch auf Russland aufzuschieben. Der Aufschub wurde erzwungen und verursachte das Anhalten des Vormarsches auf Moskau, wo Stalin, der deutschen Luftüberlegenheit trotzend, eine Militärparade abnahm. Diese sehr skizzenhafte Zusammenfassung soll verdeutlichen, dass Weltkriege nicht mit Kriegserklärungen beginnen müssen. Sie beginnen mit Zugriffen auf Kerngebiete von Staaten, deren Ressourcen und Arbeitskräfte und strategischen Aufmarschraum man zu brauchen meint. Wir befinden uns in einem Weltkrieg. Er wird ausgelöst von den USA und mitgetragen von Staaten, die in der Abhängigkeit und unter dem Schutz Washingtons bisher gediehen sind. Für Europa ist es der vierte Krieg gegen Russland, Napoleons Feldzug mitgezählt. Alle sind nur insofern erfolgreich gewesen, als Russland grosser Schaden zugefügt wurde – was jeweils beabsichtigt war und auch heute erklärte Absicht ist. Russland unter westlicher Kontrolle bedeutet, die USA sind China in jeder Hinsicht überlegen, besonders militärisch. Selbständigkeit wäre für China Vergangenheit. Und für uns auch.

Samstag, 7. Mai 2022

Und die Moral von der Geschicht

Eine Erzählung aus Nimwegen. Martha Gellhorn hat da ein Lazarett besucht, sie beschreibt die Abteilung, wo verletzte Kinder in kleinen weißen eisernen Betten liegen. Die Kinder sind oft noch zu jung, um zu sprechen, aber alle sind erstaunlich ruhig. Es gibt nicht viel zu essen für die Kinder, keine besonderen kleinen Spielzeuge, um sie von ihren Schmerzen abzulenken. Das Licht ist auch nicht gut und manche Kinder sind noch so klein, dass man denkt, das Bettchen ist leer. Einem dünnen kleinen Mädchen von vier Jahren wurden beide Arme durch Granatsplitter gebrochen und ein Splitter musste aus ihrer Seite heraus geschnitten werden und einer aus ihrem Kopf. Alles, was man sehen konnte, war ein winziges sanftes Gesicht mit enorm großen Augen, die einen anschauten, und die Arme wie Blumenstiele an Stützen geheftet und die Bandage um ihren Kopf fast so groß wie sie selbst. Sie würde nie verstehen, was geschehen war, und was für eine Art Welt es war, die ein kleines Mädchen von vier Jahren so verletzen konnte, während es im Garten spielte, wie Mädchen ihres Alters überall auf der Erde im Garten ihres Hauses spielen können sollten. Der Bericht ist ein Appell an unser Gefühl – damit keine Sentimentalität aufkommt, werden wir über den Gesamtzusammenhang informiert. Wir alle kennen Schreckensorte, wo Menschen vieler Völker ihrer jüdischen Abstammung wegen mit Gas erstickt wurden. Das ist nicht neu. Aber Nimwegen? Nun, es liegt in unserer direkten und beliebten Nachbarschaft, in Holland. Die Deutschen haben – schreibt Gellhorn im April 1944 – eine halbe Million Holländer im Alter zwischen neunzehn und fünfunddreißig deportiert und als Zwangsarbeiter in Deutschland eingesetzt, und nach einem Jahr habe man von diesen Männern nichts mehr gesehen oder gehört. „In einem kleinen Land lässt die Entführung einer halben Million Männer eine große traurige Lücke zurück.“ Die Moral einer kurzen Erzählung sollte ebenfalls kurz sein, meint Gellhorn und schlägt eine ganz kurze vor: „Es wäre eine gute Sache, wenn man den Deutschen nie gestatten würde, to make war again.“ Sie spricht als Amerikanerin. Ihre Empfehlung, den Deutschen nie zu erlauben, wieder Krieg zu machen, gilt zunächst ihrer eigenen Regierung. Dann zweitens der Gemeinschaft der Vereinten Nationen, der UNO, wo die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat beanspruchen. Dass die USA uns Deutschen und den Japanern dringend neue Feldzüge nahelegen, hätte sie nicht für günstig gehalten – nachdem eine Weltregierung der verbündeten Mächte Deutschland und Japan unter so furchtbaren Opfern wie in Holland mit knapper Not verhindert werden konnte. Japan hat sich soeben einem Kriegsbündnis gegen China angeschlossen, das ebenfalls zu den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges gehört, nachdem es Entsetzliches erlitten hatte. Wir Deutschen hatten unsere Kriege. Es sollte reichen.

Freitag, 6. Mai 2022

Wer weiß das bei uns?

„Niemand hat den Kalten Krieg gewonnen.“ Diese überraschende Behauptung wagt Martha Gellhorn und fügt sie einer Sammlung ihrer seinerzeit berühmten Kriegsreportagen an. Gellhorn war für die USA so etwas wie Peter Scholl-Latour für uns in Europa, stets unerschrocken vor Ort, um Kriege zu dokumentieren, wie sie wirklich erlebt werden – und nicht so, wie die jeweilige Propaganda es dargestellt wissen will. Die folgenden Passagen sind eine Zusammenfassung aus dem Schlussteil ihres Buches „The Face of War“. Es sei die stolze amerikanische Überzeugung, schreibt sie, „wir“ hätten den Kalten Krieg gewonnen, indem wir die Sowjetunion bankrott gerüstet haben. Das nennt sie seltsam in Anbetracht der Tatsache, dass die USA sich selbst bankrott gerüstet, nämlich mit Staatsschulden belastet haben, die im Kalten Krieg jedes Jahr gestiegen sind; sie haben sich – wird uns vorgerechnet – während der Amtszeit von Präsident Reagan verdreifacht, in direkter Relation zu den extra ausgewiesenen Militärausgaben. Die Staatsschuld der Sowjeunion, die während ihres Bestehens viele Staaten umfasste und nun vererbt ist an das kleiner gewordene Russland, belaufe sich auf sechzig Milliarden Dollar. Die Staatsschuld der USA 1991, etwa im gleichen Zeitraum, auf 3599 Milliarden Dollar, und steigend. Diese Summe sei mehr als doppelt so hoch als die gesamten Staatsschulden der Dritten Welt. Die sowjetische und von Russland übernommene Staatsschuld belaufe sich auf weniger als ein Viertel der jährlich fälligen Zinszahlungen der USA. Die USA müssen mehr als ein Drittel ihrer staatlichen Ausgaben aufwenden, um die Zinsen an ihre Gläubiger abzutragen. Und der Zins steige von Jahr zu Jahr; „riesige Ausgaben für das Militär gehen weiter“. Die Überraschung ist, dass Gellhorn diese Angaben 1992 geschrieben hat. Vor drei Jahrzehnten schon sah es so aus! Geändert hat sich in all der Zeit nichts, im Gegenteil, es ist schlimmer geworden. Im vergangenen Jahr erst hat die Finanzmisterin der USA, vormals Chefin der berühmten Federal Reserve, eindringlich gemahnt, die parlamentarischen Vertreter der USA imWashingtoner Kongreß müssten unbedingt die Schuldenobergrenze erhöhen. Sonst drohe die Zahlungsunfähigkeit der Regierung! Es folgen weitere Überraschungen. „Die Vereinigten Staaten als alleinige militärische Supermacht ist ein Unglück für Amerikaner und jeden anderen.“ Das wird aktuell in Afrika, Asien, Südosteuropa immer wieder so gesagt. Auch die Begründung ist nicht neu. Die Bilanz der amerikanischen Präsidenten, seit die USA eine Supermacht wurden, ist nicht ermutigend; sie waren zu schnell bereit, sich in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen und gefährlich schnell bereit, militärische Macht dafür einzusetzen. Jede Regierung verfolgt und bestraft Drogenhandel aber fördert Waffenhandel. Das ist monumentale Heuchelei. Heroin, Kokain, Crack sind gesund im Vergleich mit der nachgewiesenen Zerstörungskraft unserer ständig modernisierten Waffen. Das nahende Jahrhundertende (1992!) lässt uns mit einem Stapel von einundfünfzigtausend Nuklearwaffen zurück, erschreckender Überschuss an Tötungsfähigkeit, der sicher verwahrt und irgendwann abgetragen werden muss, und niemand weiß wie. Das Volk der Sowjetunion, solange sie bestand, zahlte für den Preis, die zweitgrößte Atommacht der Welt zu sein, mit vierzig Jahren harten und kargen täglichen Lebens. Amerikaner jetzt, und bis in eine nebelhafte Zukunft reichend, werden weiterhin zahlen für ihren ersten Platz als Atommacht und verlieren jedes Jahr Hunderte Milliarden Steuergeld, die gebraucht würden um ihre beschädigte Gesellschaft zu heilen. Ist es ein Trost für Amerikaner, die meisten und besten Kriegswaffen zu haben und unsichere Stadtviertel, gefahrvolle Straßen, eine wachsende Unterklasse von arbeitslosen und wütenden Armen, die schlecht ausgebildet sind? Das und vieles mehr melden auch unsere westlichen Medien gelegentlich – eines aber melden sie nicht und erfährt wohl kaum jemand: Dass es vor drei Jahrzehnten bereits klar zu erkennen und niedergeschrieben und veröffentlicht war – und dennoch nie geändert wurde. Auch wir Deutschen und Europäer tun nichts, um unseren amerikanischen Freunden Kursänderungen zu empfehlen. Wir führen Amerikas Kriege.

Sonntag, 1. Mai 2022

Zum Feiertag der Arbeit

Mein Wort zum 1. Mai ist ein Zitat aus Martha Gellhorn, "The War in China". In einer Zusammenfassung ihrer Eindrücke von einer China-Reise 1940-41 schrieb sie fast zwanzig Jahre danach, 1959 in London: "Ich glaube nicht, dass China je eine Demokratie war oder in unserer Lebenszeit eine werden könnte. Wie denn auch? Für eine Demokratie, oder auch nur deren Vorspiegelung, muß ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung lesen und schreiben können, und frei kommunizieren - nicht nur gesprochen oder gedruckt, sondern auf Straße und Schiene, und der tägliche Kampf ums Überleben muß genug freie Zeit geben, um zu wählen. Sie denkt an ein Sechs-Punkte-Programm für China während der nächsten hundert Jahre (von 1959 an gerechnet!!): Sauberes Trinkwasser zumindest an ausgewiesenen "Tank"stellen, Zugang zu Kanalisation überall; kostenlose Abgabe von Pillen zur Geburtenkontrolle; und ein landwirtschaftliches Programm, das jenes Minimum von Reis garantiert, das alle Chinesen brauchen, um nicht zu verhungern. Ist all das erreicht, könnte eine allgemeine Krankenversorgung auf den Weg gebracht werden gegen Cholera, Typhus, Lepra, Amöbenruhr, Malaria. Danach müssten Schulen gebaut und mit Schülern bestückt werden. Und dann, aber wie weit liegt das in der Zukunft, könnte der Augenblick gekommen sein, über Demokratie zu sprechen. Und weiter: Ich fühlte, es bedeutete Verdammung schlechthin, Chinese zu sein, kein ärgeres Los könnte einem menschichen Wesen zugeteilt sein, als dort geboren zu sein und zu leben. Und schließlich: Sie taten mir alle leid, ich sah keine erträgliche Zukunft für sie und wollte nur noch entkommen. Soweit Gellhorn. Kann alles im englischen Originaltext nachgelesen werden, die Übersetzung ist von mir und wird gewiss ohne Nachsicht „verrissen“, wie ich es von Punky gewöhnt war. Er meint, er kann viel besser Englisch als ich. Jetzt mein Kommentar, für den ich noch viel weniger Nachsicht erwarten darf: Von diesen Programmpunkten haben die Chinesen etliche auf den Weg gebracht und teils sogar fast erreicht, und das in weniger als hundert Jahren. Unsere Grünen-Politiker halten das für inakzeptabel und wollen die Chinesen streng bestrafen (sanktionieren). Wir sind dabei - ob wir wollen oder nicht. Ich will es nicht, aber was kann ich tun?

Dienstag, 29. März 2022

Klein sein, das ist schön

„Klein sein, das ist schön, groß sein noch viel schöner!“ Einen Zufall will ich es nicht nennen, aber was ist es dann? Ein fast dreißig Jahre alter Essay des Soziologieprofessors Heinz Bude schmorte unbeachtet in meinem Archiv, bis er mir vor Tagen aus einem Buch über Menschenrechte vor die Füße fiel. Ich habe den in der Frankfurter Allgemeinen vom 29. Januar 1994 abgedruckten Artikel auf meinen Schreibtisch gelegt und nicht vorgehabt, ihn zu lesen. Schreddern wollte ich ihn – und sah dann vorsichtshalber noch einmal hin. „Seit der Einigung können die Deutschen nicht mehr hoffen, dass andere die Maßstäbe für ihre Politik liefern“, steht unter einer Ablichtung des Reichstags in Berlin. Ich las noch einmal, was ich gewiss schon 1994 gelesen hatte; sonst hätte ich den Essay nicht archiviert. Dem Soziologen geht es um den Unterschied zwischen Gesellschaft und Nation. Die Bundesrepublik sei durch die deutsche Einigung plötzlich von einer „Gesellschaft“ zu einer „Nation“ geworden. Gesellschaften gibt es viele, sowohl innerstaatlich wie außerhalb. Ich kann und ich will mich als Weltbürger fühlen. Das ist Sache meiner rücknehmbaren Wahl. Deutscher hingegen bin ich durch Geburt und bleibe es im Normalfall. Das hat Vorteile. „Pragmatismus“ (Bude) sollte uns nach einer schrecklichen Leidensgeschichte darüber belehrt haben, dass nur die Nation als politische Form sowohl mich wie den Fremden schützt. „Definiert durch das Recht und garantiert durch das Machtmonopol des Staates, stellen ‚Nationen’ einen politischen Raum dar, wo die Einheit von ethnischen, regionalen und sozialen Differenzen sich herstellen kann. Noch hat die Menschheit keine politische Form, und deshalb kann sie auch die Einhaltung von Menschenrechten nicht verbürgen. Freiheit und Gleichheit in Loslösung von letztlich beliebigen Gruppemerkmalen ist für die Bürger nur im Rahmen der ‚Nation’ gewährleistet.“ Migranten wissen das aus Erfahrung. Als Mitglieder einer Weltgesellschaft, verbunden im Internet, fordern sie Gleichheit – doch es gibt keine Weltnation, von der sie den Schutz bekämen, den sie für sich einfordern. Deshalb kommen sie zu uns und suchen Zugang zu ‚Nationen’, die ihren Bürgern nicht nur Pflichten auferlegen, sondern auch Rechte einräumen. Sie wollen nach Europa und innerhalb Europas nach Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien. Hingegen Ungarn, falls es sie akzeptierte, kann sie nicht mit der sehnlich erwünschten „Gleichheit“ der Lebensqualität versorgen. Das ist so. Wir wissen es alle. Dennoch verlangt die EU von Staaten wie Ungarn, Migranten aufzunehmen, die dort nur durchreisen – zu uns. Die bestimmenden Kräfte der Europäischen Union halten an der Phantasie fest, wir lebten in einer Weltnation. Warum bezeichnen sich dann aber die USA als Ausnahme, als die „exceptional nation“? Was hat Frauen, die ein Kind erwarteten, veranlassen können, in den USA niederzukommen und dem Kind so die amerikanische Staatsbürgerschaft zu sichern? Die Erklärung, dass es selbstbestimmte Nationen innerhalb dieser Weltnation nicht geben soll, klingt befremdlich. Insbesondere keine mit entwicklungsbedingter, eigener Auslegung der UN-Charta. Ihnen setzt die Weltnation durch ihre Führungsmächte mittels harten Zwangs enge Grenzen. Hunger wird die Trotzigen brechen, Bomben sprechen das klarste Wort. An ihren Grenzen fahren wir soviel Militär auf, dass sie ihre Ressourcen in Rüstung investieren müssen – das wird ihre Bevölkerungen zu der Einsicht bringen, dass wir sie mit vollem Recht unserer Weltnation eingliedern wollen. Wir müssen das alles tun, weil wir als einzelne Nationen nicht durchsetzungsfähig wären. Die Weltnation ist alternativlos! Eine Weltgesellschaft schaffen! Klingt groß. Allzu groß? Bude: „Vielleicht mag angesichts des Schwankens zwischen grandioser Aufblähung der Leidenschaften und ängstlichem Rückzug auf die Interessen jemand Erbarmen haben mit den Deutschen: ‚Moschele, Moschele, mach dich nicht so klein, so groß bist du gar nicht.’“

Der Ententest

Dieser Test wird angewandt, um einen schwer zu definierenden Sachverhalt auf einfache Art plausibel zu machen. So 2021 vom Finanzminister Singapurs, als eine Parlamentspartei den Vorwurf bestritt, ihr Antrag sei rassistisch. Er sagte: „Aber schauen Sie, wenn es aussieht wie eine Ente, watschelt wie eine Ente, quakt wir eine Ente, dann ist es eine Ente.“ Der Elefantentest funktioniert ähnlich. In schwierigen Rechtsfällen ist er öfters genannt worden. Die Problematik sei, wie ein Elefant, schwer zu definieren, doch man erkenne sofort, was man vor sich hat, wenn man ihm begegnet. Sehen wir uns nun an, wie der „Verteidigungs“-Plan der NATO gegen die Russische Föderation aussieht. Er gleicht dem Aufmarschplan der Wehrmacht gegen die Sowjetunion 1941. Es scheint sich um eine Duplizierung des Projektes „Barbarossa“ zu handeln. Freilich würde man in der Brüsseler NATO-Zentrale energisch abstreiten, die Vernichtung Russlands zu beabsichtigen. Doch die Einzelmaßnahmen lassen kaum Zweifel zu. An alle Grenzen Russlands sind Streitkräfte verlegt und sollen verstärkt werden. Die amerikanische Regierung verlautbart durch ihren Präsidenten, der russische Präsident habe abzutreten. Aushungerung der russischen Bevölkerung ist kein geheimes, sondern das offizielle Ziel, um sie zum Aufstand gegen die eigene Regierung und zur Unterwerfung zu nötigen. Die Umzingelung entspricht den Planspielen des damaligen Generalstabs vor dem Überfall aufs Haar. Erst nimmt man die Ukraine, dann Polen, Tschechien ist vorgesehen – und die Strategen rechnen auf den erfolgreichen Durchbruch ans Schwarze Meer durch Einbindung der Türkei. Völkermord ist diesmal nicht vorgesehen, wäre der naheliegende Einwand. Doch werden wir zugeben müssen, dass die Beseitigung der staatlichen Zentralgewalt im Irak und in Libyen, ferner in afrikanischen und asiatischen Ländern – Vietnam vor längerer, Afghanistan vor kurzer Zeit – zwar nicht dem Holocaust gleichkam, aber doch viel Tod und Leid über die Völker und Länder brachte, die Opfer des US-geführten Krieges um Hegemonie wurden. Unter US-geführter und NATO-gestützter Hegemonie dürfen wir uns vorstellen, dass kein Staat dieser Erde, auf der wir wohnen, sich unserer Unterwerfung widersetzen darf. Niemand. Kein Land, kein Volk, kein Staat darf sich so etwas wie Selbstregierung leisten. Rein finanziell schon nicht. Als Weltwährung ist der Dollar zu akzeptieren. Wahlweise die Währung Europas, solange es im Gleichschritt mit Washington marschiert. Geplant ist vor allem die Zurückdrängung Chinas. Damit sie gelingt, muss zuerst Russland unterworfen werden. Das gelingt, wenn zuerst seine Nachbarstaaten auf Linie gepeitscht werden, „they are whipped in line“. Dass wir das mitmachen, ist nicht selbstverständlich. Noch vor zwei Jahren hatten siebzig Prozent der Deutschen vor den USA mehr Angst als vor Russland. Wie konnte die Stimmung in so kurzer Zeit ins Gegenteil kippen? Sicher nicht deshalb, weil Russland sich gegen eine Neuauflage des Unternehmens Barbarossa wehrt. Vielmehr wird die Vorsichtsmaßnahme uns als „Putins Krieg“ verkauft. Die Propaganda des Reichssenders Brüssel mit seinen angeschlossenen Sendern hat das geschafft. ///// Im Netz gefunden: In 2021, a version of the test was used by Singapore's Minister of Finance Lawrence Wong in response to claims by members of the Progress Singapore Party that their parliamentary motion on free trade agreements was not racist. He said: But look, if it looks like a duck, if it walks like a duck, if it quacks like a duck, it is a duck.[13] Similarly, the term elephant test refers to situations in which an idea or thing, "is hard to describe, but instantly recognizable when spotted".[14] The term is often used in legal cases when there is an issue which may be open to interpretation,[15][16] such as when Lord Justice Stuart-Smith referred to "...the well-known elephant test. It is difficult to describe, but you know it when you see it",[1 Lord Hughes (in discussing dishonesty) opined "...like the elephant, it is characterised more by recognition when encountered than by definition." similar incantation (used however as a rule of exclusion) was invoked by the concurring opinion of Justice Potter Stewart in U.S. 184 (1964), an obscenity case. He stated that the Constitution protected all obscenity except "hard-core pornography". Stewart opined, "I shall not today attempt further to define the kinds of material I understand to be embraced within that shorthand description; and perhaps I could never succeed in intelligibly doing so. But I know it when I see it, and the motion picture involved in this case is not that."

Freitag, 25. März 2022

Unser Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Siegermächte beschlossen, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Sanktionen gegen Staaten beschließen darf, die Völkerrecht brechen. Die Sanktionen durften aber nur einstimmig durch die vier (dann fünf) ständigen Mitglieder verhängt werden. Seither haben die USA sich das Recht genommen, Strafen ohne die Zustimmung des Sicherheitsrates zu verhängen. Sie haben sich selbst und sich allein an die Stelle der Siegermächte gesetzt. Ihre Alliierten sind ihnen meist gefolgt. Bei uns in Deutschland wird die Gefolgschaft als „Übernahme von Verantwortung für die Durchsetzung unserer Werte“ begründet. Die Formel bedeutet, dass wir durch harte Strafen in anderen Ländern rechtsstaatliche Demokratien erzwingen sollen und auch können. Die Tatsachen sprechen allerdings deutlich dagegen. Im Mittleren Osten sind durch Bombardements vormals intakte Infrastrukturen zerstört, die medizinische und soziale Versorgung, die Lebensmittelproduktion, der Zugang zur Bildung fast unmöglich gemacht worden. In manchen dieser Staaten wurden bestehende Strukturen so weitgehend zerstört, dass Bürgerkriege toben, Sklaven auf offenem Markt gehandelt und verkauft werden, und Wohlstand durch himmelschreiendes Elend ersetzt wurde – alles durch unsere Mitwirkung an der „Übernahme von Verantwortung für die Durchsetzung unserer Werte“. Das alles ist wahr und seriös dokumentiert, es ist zweifelsfrei. Dass es dennoch möglich ist, die ohne Zustimmung des Sicherheitsrates verhängten Strafen als Eintreten für Menschenrechte darzustellen, erscheint unmöglich. Doch es gelingt. Unsere westliche Publizistik ist widerspruchslos auf diesen Kriegskurs eingeschwenkt und behauptet, es sei Friedenspolitik. Dass die allgemein bekannten Tatsachen im Widerspruch zu öffentlich erklärten Zielen dieser Politik stehen und die Ziele mit den angewandten Mitteln nirgendwo erreicht worden sind, ist unseren Nachrichtenmedien keine Analyse wert. Die Verursacher seien nicht wir selbst, wird verbreitet, sondern diejenigen, die sich unseren gutgemeinten Feldzügen militärischer, wirtschaftlicher, kultureller Art aus unbegreiflichen Gründen widersetzen. Wir müssten daher noch viel schärfere Strafen verhängen, zum Beispiel Hunger weltweit als Waffe für uns nutzen. Diese Politik wird durchgesetzt von der Nation, die sich selbst als exceptional bezeichnet, als Ausnahme: Fünf Prozent der Weltbevölkerung erklären den verbleibenden 95 Prozent, diese seien zur Gefolgschaft verpflichtet – eben kraft des exceptionalism, des Ausnahmecharakters der einen Nation. Wie sieht es nun dort aus? Fragen wird man dürfen. Die Antwort ist, dass ein kleines Prozent der Bevölkerung dort den gesamten Reichtum des Landes auf sich vereinigt. Die andern streiten sich um den Rest und bewaffnen sich einzeln und gruppenweise bis an die Zähne, um ihre Interessen durchzusetzen. Das ist nicht übertrieben, es stimmt! Diese unsere Schutz- und Trutzmacht unterhält weltweit 800 Militärbasen, gibt für Rüstung mehr aus als der Rest entwickelter Länder zusammen – und nimmt die Verrottung der eigenen Infrastruktur dafür in Kauf. Und auch innenpolitisch sucht die jeweilige Regierung die Ursache nicht im eigenen Verhalten, sondern im Verhalten von Störern, Aufrührern, Oppositionellen, die vor allem durch Bestrafung zum rechten Verhalten zu bewegen seien. Der offenbare Wahnwitz wird von links mit dem Argument kritisiert, er diene der Rüstungsindustrie. Doch in Deutschland gibt es keine so bedeutende Rüstungsindustrie, dass sie fähig wäre, unsinnige politische Beschlüsse durchzusetzen. In den USA ist es anders. Bei uns jedoch muss es Politiker geben, die sich andere Vorteile von der Aufrüstung versprechen als Riesenprofite für Rheinmetall. Was für Vorteile das sein mögen, ist „anybody’s guess“, es bleibt fraglich. Einstweilen steht nur fest, dass dem deutschen Wählervolk über Jahre keine Aufrüstung plausibel gemacht werden konnte. Jetzt wird sie publizistisch mit dem Krieg begründet, der als Putins Krieg bezeichnet wird. Es ist aber nicht Putins Krieg, sondern unser dritter Krieg gegen Russland. Ob der Erfolg diesmal wohl die eingesetzten Mittel rechtfertigen wird? Albert Einstein soll einmal gesagt haben, dass es einen Mangel an Intelligenz beweist, wenn man von der ständigen Wiederholung desselben Versuchs irgendwann ein günstiges Resultat erhofft, anstatt neue Versuche zu machen. Deshalb sei es noch einmal und mit allem Nachdruck betont: Die für unser Land und unser Westeuropa verantwortlichen Politiker sind mit Sicherheit intelligent genug, um die Resultate ihrer Entscheidungen zu erkennen! Das bedeutet, dass Chaos, Verwüstung, Hunger, Massenflucht aus Asien und Afrika als hinnehmbar beurteilt werden im Vergleich zu den Vorteilen, die unsere US-geführten Regierungen daraus ziehen.