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Werden
wir unglaubhaft? Die Gefahr besteht. Auf der Titelseite seiner
Ausgabe vom 1. Oktober 2022 kündigt der Economist, ein weltweit als
seriös geltendes Informationsmagazin, einen Beitrag über den
chinesischen Präsidenten Xi Jinping an – und die Bedrohung, die er
für China und das Ausland darstellt. „He
is posing a challenge to the American-led order that the world should
resist.“ So
in einer Zusammenfassung. Übersetzt heißt das, es sei der
Präsident Chinas, der die westliche Weltordnung herausfordert. Mit
dieser Darstellung streift das Magazin die Grenze zur
Unglaubwürdigkeit. Seine Leser wissen, dass die Amerikaner selbst es
waren, die das Weltvertrauen in ihre Führung in Frage gestellt
haben.
Zuletzt
in Afghanistan, zuvor im Irak haben sie eine blutige Spur
hinterlassen. Wer rechnet den Schaden zusammen und zählt die Toten,
wer die vernichteten Ernten? Und wer die Lügen der Kriegspropaganda?
Auf der Südhälfte des Globus hat wohl kaum jemand vergessen, dass
der US-Präsident Joe Biden sagte, die Errichtung einer
rechtsstaatlichen Demokratie sei nie das Ziel des Krieges gewesen,
der zwanzig Jahre lang geführt werden konnte, weil die
Rüstungsfirmen daran verdienten und die afghanischen Präsidenten
teils bestochen und teils getäuscht wurden.
Nicht
Xi Jinping hat den Glauben an die guten Absichten der amerikanischen
Führung zerstört. Dafür haben die Amerikaner niemanden gebraucht.
Sie haben es alleine fertiggebracht, dass bedeutende Staaten in
Afrika und Asien sich weigern, die Alleinschuld am Krieg in der
Ukraine beim russischen Präsidenten zu suchen.
Es
ist ein ebenso spannendes wie gefährliches Drama, das auf der
Weltbühne aufgeführt wird. Wladimir Putin ist die Rolle des
Bösewichts zugedacht. Held ist der jeweilige Vertreter der
„American-led order“, er allein kann und darf die Maid mit Namen
Weltherrschaft heimführen – glaubt er ganz fest. Der Bösewicht
aber behauptet, dass er vom angeblichen Helden, der gar keiner sei,
nur missbraucht wird, um den Hochflug des Drachen zu kontrollieren.
Dass
der Krieg in der Ukraine nicht der Errichtung einer rechtsstaatlichen
Demokratie dort gilt, so wenig wie es in Afghanistan darum ging, ist
nicht neu. In meinem Taschenbuch WIDERSPRUCH ERZFEIND RUSSLAND habe
ich diesen Verdacht bereits 2014 zu äußern gewagt und begründet.
Die
zweite Oktoberwoche 2022 hat mit der Bekanntgabe der zuständigen
Behörde begonnen, dass die Staatsschuld der USA eine kritische
Marke überschritten hat. Sie ist auf über 31 Trillionen Dollar
gestiegen (Billionen sagen wir in unserer Sprache). Der Wert nähert
sich der vom Kongreß bewilligten Schuldenobergrenze. Müsste sie
noch einmal erhöht werden, hängt die neuerliche Zustimmung von der
Verteilung der Stimmen nach den Zwischenwahlen Anfang November ab.
Verliert Präsident Biden beide Häuser, so muß er damit rechnen,
dass republikanische Senatoren und Abgeordnete seine
Finanzierungsprogramme ablehnen. Die Erhöhung der Schuldenobergrenze
würden sie an drastische Ausgabenkürzungen binden und ohne sie
nicht genehmigen.
Die
schuldenfinanzierte Unterstützung der Ukraine wäre dann durch die
Europäer allein zu stemmen, weil seitens der USA nicht mehr
finanzierbar. Eine geopolitische Niederlage. Die Wiederwahl Joe
Bidens 2024 wäre abzuschreiben. Einen anderen
Präsidentschaftskandidaten hat die Demokratische Partei derzeit aber
nicht. Donald Trump ante portas. Er wartet das Ergebnis der
Zwischenwahlen ab, bevor er seine Kandidatur 2024 für eine zweite
Amtszeit als Präsident erklärt.
Damit
die Inflation nicht weiter steigt, muss der Preis für Öl und Gas
sinken. Die Präsidenten der USA und Frankreichs, der deutsche
Bundeskanzler Scholz, auch Italien und Spanien, haben Saudi-Arabien
gedrängt, die Ölförderung spürbar zu erhöhen. Bei steigendem
Angebot müsste der Preis auch an den Tankstellen nachlassen. Das
wäre dringend erwünscht gewesen, ließ man die Förderländer
wissen.
Bei
einer Präsenzkonferenz in Wien, zu der auch der russische
Energieminister anreiste, haben die Mitglieder der Opec-plus, Araber
plus Russland, statt dessen eine spürbare Drosselung der Ölförderung
und damit das Steigen der Preise an den Weltmärkten für Energie
angekündigt.
Es
war nicht unbedingt zu erwarten. Vor einiger Zeit hatte dasselbe
Gremium eine wenn auch geringe Erhöhung der Ölförderung
angekündigt. War wohl als Geste gedacht. Nach der Sabotage an den
Pipelines der Ostsee nun also die deutlichere Geste. Wer die Logistik
der Lieferanten angreift, bekommt von diesen, und zwar gemeinsam von
allen, die Antwort. Heute zerstört ihr die Logistik der Russen,
morgen könnte jeder von uns dran sein. Nicht mit uns, Herrschaften!
Die
Inflation wird also nicht sinken, sondern steigen. Da die Europäische
Kommission zugleich ein neues Sanktionspaket gegen Russland auf den
Weg bringt, um den Ölpreis zu deckeln, und damit Investoren nicht
ermutigt, sondern abschreckt, muss die Inflation auch durch die
Brüsseler Initiative die falsche Richtung nehmen.
Die
Drosselung der Ölförderung tritt im November in Kraft, noch vor den
Brüsseler Sanktionen, die erst im Dezember greifen sollen.
Joe
Biden steht vor einer Situation, die von Experten als sehr schwierig
bezeichnet wird. Die Option, Russlands Grenzen angreifen zu lassen,
liegt nahe. Es ist seit langem medial vorbereitet:
Russland
habe kein Recht auf die Grenzen, die es beansprucht.
Sieht
der neue Zar oder gar Dschingis Khan, als der Putin dargestellt wird,
sein Reich gefährdet, das er in unbegreiflicher Machtgier
verteidige, statt es für demokratische Reformen zu öffnen, so werde
er gegen die westlichen Waffen nuklear bestückte Raketen einsetzen
müssen.
Im
Handelsblatt ist nachzulesen, was das bedeutet. Putin wäre der
Pariah der Weltgemeinschaft.