Dienstag, 16. Juni 2020

Schon jemanden denunziert heute?


„Die deutsche Form der Revolution ist die Denunziation“, folgert Gottfried Benn aus seinen Erfahrungen.
Auch ich habe es erlebt, dass ich von einem kultur-revolutionären Eiferer denunziert worden bin. „Hoffentlich wirst du von Putin gut bezahlt“, schrieb mir ein Freund. Ich hatte veröffentlicht, dass die Strategie zuerst Zugriff auf die Ukraine, dann auf Russland, bereits zum dritten Mal in hundert Jahren unsere Außenpolitik bestimmt. Das kaiserliche Heer wollte die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Lebensmitteln sichern, Hitlers Wehrmacht die Energieversorgung ihrer motorisierten Einheiten im Rassenkrieg. Letztlich aber hatten es die deutschen Strategen auf Russland und seine Ressourcen abgesehen.
Der erste Versuch scheiterte an Lenin, der zweite an Stalin, der dritte an Putin. Die drei werden in unseren Medien nicht dafür gelobt, sie werden als verachtenswerte Hassobjekte dargestellt.
Dafür habe ich Belege genannt.
Mein langjähriger guter und persönlicher Freund war zu dem Schluss gelangt, ich müsse mich als Influencer an den Kreml verkauft haben – gutmütig wünschte er mir, dass ich einen guten Preis erzielt hätte.
Zuerst hielt ich es für einen Scherz. Ich habe mich noch nie in meinem Leben als Mitmaul verdingt. Angebote gab es und nötig wäre es auch manches Mal gewesen – aber es kam niemals für mich in Frage.
Darauf schrieb mir der Freund, meine Leugnung sei ja gerade der Beleg dafür, dass ich mich verdingt habe. Als Verbreiter russischer Propaganda müsse ich sogar ganz unbedingt leugnen, in Putins Dienst getreten zu sein.
Er meinte es ernst, der Witzbold.

Und wen habt ihr heute schon denunziert? Donald Trump ist gewiss Kandidat wie jeden Tag, Putin, Assad, Erdogan, Boris Johnson … Und ich, weil ich diesen post ins Netz stelle?


Keine Kommentare:

Kommentar posten