Montag, 10. August 2020

Lesen am Nachmittag

Zu arbeiten gäbe es manches, aber bei dieser Hitze! Da lese ich lieber unter dem Sonnenschirm und pflücke Euch eine literarische Frucht, die Heinrich Heine uns spendet:

 Ihr lieben deutschen Bauern! geht nach Amerika! dort gibt es weder Fürsten noch Adel, alle Menschen sind dort gleich, gleiche Flegel... mit Ausnahme freilich einiger Millionen, die eine schwarze oder braune Haut haben und wie die Hunde behandelt werden! Die eigentliche Sklaverei, die in den meisten nordamerikanischen Provinzen abgeschafft, empört mich nicht so sehr wie die Brutalität, womit dort die freien Schwarzen und die Mulatten behandelt werden. Wer auch nur im entferntesten Grade von einem Neger stammt und wenn auch nicht mehr in der Farbe, sondern nur in der Gesichtsbildung eine solche Abstammung verrät, muß die größten Kränkungen erdulden, Kränkungen, die uns in Europa fabelhaft dünken. Dabei machen diese Amerikaner großes Wesen von ihrem Christentum und sind die eifrigsten Kirchengänger. Solche Heuchelei haben sie von den Engländern gelernt, die ihnen übrigens ihre schlechtesten Eigenschaften zurückließen. Der weltliche Nutzen ist ihre eigentliche Religion, und das Geld ist ihr Gott, ihr einziger, allmächtiger Gott. Freilich, manches edle Herz mag dort im stillen die allgemeine Selbstsucht und Ungerechtigkeit bejammern. Will es aber gar dagegen ankämpfen, so harret seiner ein Märtyrtum, das alle europäische Begriffe übersteigt. Ich glaube, es war in New York, wo ein protestantischer Prediger über die Mißhandlung der farbigen Menschen so empört war, daß er, dem grausamen Vorurteil trotzend, seine eigene Tochter mit einem Neger verheuratete. Sobald diese wahrhaft christliche Tat bekannt wurde, stürmte das Volk nach dem Hause des Predigers, der nur durch die Flucht dem Tode entrann; aber das Haus ward demoliert, und die Tochter des Predigers, das arme Opfer, ward vom Pöbel ergriffen und mußte seine Wut entgelten. She was flinshed, d.h., sie ward splitternackt ausgekleidet, mit Teer bestrichen, in den aufgeschnittenen Federbetten herumgewälzt, in solcher anklebenden Federhülle durch die ganze Stadt geschleift und verhöhnt...

O Freiheit! du bist ein böser Traum!

 Dann hört Heinrich heine von einem Fischer, in Paris hätten  die armen Leute gesiegt und den König vertrieben – die Juli-Revolution! 

 Ich fürchte fast, es sei nicht wahr, denn es ist gedruckt. Ich will selbst nach Paris gehen, um mich mit leiblichen Augen davon zu überzeugen...

Heinrich Heine: "Ludwig Börne, eine Denkshrift", Zweites Buch.

 

 

Mittwoch, 8. Juli 2020

Qualitätsmedien? Vorsicht!

Ich habe mich heute zu einem Leserbrief an meine Abonnementszeitung durchgerungen - es ist ja immer auch ein Zeitaufwand, der umso überflüssiger erscheint, als die Einstellung der Verlage und Redaktionen uns Lesern und Abonnenten gegenüber kein Geheimnis ist. Hier meine Mail:

Am 29. Juni 2020 hat Ihr Kolumnist Richard Gutjahr unter dem Titel DAS ENDE EINER HASSMASCHINE die Überzeugung ausgesprochen, dass dem Facebook-Gründer Zuckerberg niemand glaube, was er gesagt habe, und fährt fort: ..."bedurfte es doch erst eines weltweiten Boykotts, um dem CEO Anstand einzuprügeln". 
Die Prügelstrafe ist in entwickelten Staaten abgeschafft. Die Sprache Ihres Kolumnisten finde ich empörend.
Ich habe Ihre Zeitung absichtlich nur von Monat zu Monat abonniert, denn ich weiß aus früherer Erfahrung, dass Hass- und Hetzformulierungen Ihrer Redaktion akzeptabler erscheinen als mir. Ich will jederzeit kündigen können, wenn Sie es gar zu arg treiben und dann auch noch behaupten, "im Netz" verbreite sich Hass. 
Hass und Hetze werden von denen verbreitet, die sich zu den Qualitätsmedien rechnen und ernstlich glauben,  wir Leser würden für die sprachliche Verrohung schließlich widerspruchslos bezahlen. Täuschen Sie sich nicht! Mich hat Herr Gutjahr schon knapp vor die Kündigung meines Abos gebracht.

Michael Molsner
mit Adresse

Auch der Frankfurter Allgemeinen wollte ich noch schreiben. Bei Durcharbeitung von ca zehn Ausgaben fiel mir auf, dass gewiss mehr als zehn hasserfüllte Artikel gegen Russland ("Putin") abgedruckt sind, oft in jedem Ressort ein spezieller Aufruf zu Hass und - vor allem - weiterer Aufrüstung gegen das Land, das ja bereits von 20fach überlegenem NATO-Militär umgeben ist, was selbstverständlich keine Erwähnung findet. Abzulehnen hätten wir lesende Abonnenten ferner China (Xi), Syrien (Assad), das Vereinigte Königreich (Johnson) und selbstredend die Türkische Republik (Erdogan - nachdem der Putsch gegen ihn und das Attentat auf sein Leben misslungen sind). Treue halten müssten wir den USA und geduldig abwarten, bis Trump (den wir als lügenden Egomanen betrachten, hassen und verachten müssen) endlich "aus dem Amt gejagt" ist. Das wird uns täglich geboten.  

Dienstag, 30. Juni 2020

Überraschende Freude




Ein langjähriger kritischer Beobachter meiner Arbeit hat gemailt:
Hallo Mike,
ich hatte vergessen, auf "Hass Entgiftung...." inhaltlich zu reagieren. Die Präsentation "Die Geburt des deutschsprachigen Kriminaromans aus dem Geist Schwabings" halte ich für absolute Spitze! Daraus könnte man ein Szenario entwerfen, wie Du es bereits in "Philipp Marlowe meets Faustus" getan hast. Also ganz große Literatur!
Bemerkenswert, dass Du die Geburtsstunde des deutschsprachigen Krimis nicht  im sprachlichen und sozialen Milieu des Exils verortest. 
Emmy Ball-Hennings ist nicht nur in der deutschen Kulturszene wieder mal "in".
Die Spanier Fernando González Viñas und José Lázaro  haben eine Biographie als Graphic Novel verfasst, die es seit Jahresanfang auch in deutscher Sprache unter dem Titel "Alles ist DADA" gibt.
Ein umfangreicher Gedicht-Band (Herausgeberinnen Nicola Behrman u. Louanne Burghardt) ist neulich erschienen. Im Wallstein Verlag, 698 Seiten, 38 Euro.

Es war die Ergänzung zu einer Briefpost von meiner Künstler-Freundin Elis K. : 
Das Kuvert enthielt eine Seite der Münchener ABENDZEITUNG vom 20./21. 6. 2020. Sowohl die graphic novel wie die Gesamtausgabe der Gedichte war im Ressort Kultur auf einer ganzen Zeitungsseite angekündigt!
Ein schöner Vers, den ich noch nicht gekannt hatte, fiel mir auf:
Bin eine von den Oftgeküßten
In meinen kleinen Mädchenbrüsten
Auch all dein Leid verborgen ist.

Elis K. hat das Cover meines Büchleins Hass Entgiftung unter Verwendung einer Fotografie von Emmy Hennings gestaltet.





Dienstag, 16. Juni 2020

Schon jemanden denunziert heute?


„Die deutsche Form der Revolution ist die Denunziation“, folgert Gottfried Benn aus seinen Erfahrungen.
Auch ich habe es erlebt, dass ich von einem kultur-revolutionären Eiferer denunziert worden bin. „Hoffentlich wirst du von Putin gut bezahlt“, schrieb mir ein Freund. Ich hatte veröffentlicht, dass die Strategie zuerst Zugriff auf die Ukraine, dann auf Russland, bereits zum dritten Mal in hundert Jahren unsere Außenpolitik bestimmt. Das kaiserliche Heer wollte die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Lebensmitteln sichern, Hitlers Wehrmacht die Energieversorgung ihrer motorisierten Einheiten im Rassenkrieg. Letztlich aber hatten es die deutschen Strategen auf Russland und seine Ressourcen abgesehen.
Der erste Versuch scheiterte an Lenin, der zweite an Stalin, der dritte an Putin. Die drei werden in unseren Medien nicht dafür gelobt, sie werden als verachtenswerte Hassobjekte dargestellt.
Dafür habe ich Belege genannt.
Mein langjähriger guter und persönlicher Freund war zu dem Schluss gelangt, ich müsse mich als Influencer an den Kreml verkauft haben – gutmütig wünschte er mir, dass ich einen guten Preis erzielt hätte.
Zuerst hielt ich es für einen Scherz. Ich habe mich noch nie in meinem Leben als Mitmaul verdingt. Angebote gab es und nötig wäre es auch manches Mal gewesen – aber es kam niemals für mich in Frage.
Darauf schrieb mir der Freund, meine Leugnung sei ja gerade der Beleg dafür, dass ich mich verdingt habe. Als Verbreiter russischer Propaganda müsse ich sogar ganz unbedingt leugnen, in Putins Dienst getreten zu sein.
Er meinte es ernst, der Witzbold.

Und wen habt ihr heute schon denunziert? Donald Trump ist gewiss Kandidat wie jeden Tag, Putin, Assad, Erdogan, Boris Johnson … Und ich, weil ich diesen post ins Netz stelle?


Mittwoch, 3. Juni 2020

Strafrede


Ich würde gerne einmal zusammenschreiben, weshalb ich Donald Trump bekämpfen soll - und das, obgleich ich keinerlei Einfluss auf die Präsidentenwahlen in USA nehmen kann.

Sicher ist Trump vorzuwerfen, dass er noch keinen Krieg geführt hat. Da war Obama doch ein anderer Kerl, er führte Krieg in sieben Staaten. Speziell in Afghanistan zeigte er den Terroristen, wo der Hammer hängt, und steigerte die Truppenzahl auf 50 000 (der surge!). Hat zwar nicht geklappt, aber jedenfalls, die Geste war eindrucksvoll!
Dann seine Administration. Die Außenministerin lachte hell auf, als sie den Lynchmord an Gadafi erwähnte. Falls man sie zur Präsidentin wähle, versprach sie die Zerstörung der syrischen Infrastruktur, um Assad zu demonstrieren, wem er zu parieren habe, jedenfalls nicht dem Russki. Trump hingegen schickte nur ein einziges Mal Cruise Missiles – und es gab nicht mal Tote, nur Trümmer.
Dann diese abwegige Neigung Trumps, Russland als Partner sehen zu wollen! War er mit Putin im Bett?, die Frage ist in USA gestellt worden, von stand-up-comedieans, man macht ja mal einen Scherz.
Und die Frauenfeindlichkeit! Trump hat vor dreißig Jahren in privatem Kreis erklärt, dass Macht sexy mache. Das hat zwar auch schon Henry Kissinger gesagt, aber er hat sich auch sonst als ganzer Kerl erwiesen: Chile, Irak! Allende, Saddam!
Trump hingegen will raus aus Afghanistan, aus Syrien, womöglich aus dem Irak: ein Trauerspiel. Es begünstigt den chinesischen Diktator. Obama hatte es besser gewusst und einen pivot to china angekündigt. Es wurde nichts draus, aber das war noch etwas!
Weit ist es seither gekommen mit dem land of the brave and the home of the free. Man mag gar nicht mehr fortfahren und die übelste Schote am liebsten vergessen: Trumps Homophobie - arglistig versteckt hinter der musikalischen Untermalung seiner Versammlungen: Drei Nummern von Elton John zur Einstimmung! Einstimmung? Irreführung! Aber das schafft er nicht. Er schafft es nicht. Meine Stimme bekommt er nicht im November! Selbst wenn ich einen zweiten Pass in der Schublade hätte, der mir die Bürgerrechte auch in USA garantiert, würde ich Trump nicht wählen!
Als Literat bin ich ein Mann des Wortes, und Trumps Sprache ist so gewöhnlich, dass die Menschen in den fly-over-states ihn verstehen: populistisch drückt er sich aus. Das ist mein Duktus  nicht! Ich liebe das gepflegte Englisch, in dem Hilary Clinton formulierte, die Menschen im Mittleren Westen steckten im basket of deplorables fest und könnten im Wahlkampf übergangen werden.
Anstatt nun naiv zu vermuten, dass die Deplorablen das übel nehmen konnten, neigen wir zu der Auffassung, dass Trumps Schmusebär Putin den Wahlverlust der Kandidatin verursacht haben muss. Es geht hier um Wahrscheinlichkeiten! Hilary hatte 1,2 Milliarden Dollar für ihren Wahlkampf ausgegeben, da konnte sie gar nicht verlieren! Wir verstehen es nicht oder nur im Zusammenhang mit dem Einfluss des Kreml und seiner Trolls.
„You are my sunshine, My only sunshine, you make me happy, when skies are grey!“ So die Staatshymne ihres heimischen Arkansas. MAN HAT UNS UNSEREN SONNENSCHEIN WEGGENOMMEN! Ach was: gestohlen!
Eine vergleichbare Furchtbarkeit erleben wir im aktuellen Wahlkampf. Donald Trump hat Gewaltexzesse am Rand von Demonstrationen der Antifa zur Last gelegt und angekündigt, er werde sie auf die Liste der Terrororganisationen setzen lassen.
Wie man mit den Aktivisten der Antifa richtiger umgeht, hat ein Spitzenmnn meiner Partei, Olaf Scholz, vorbildlich demonstriert. In Hamburg beim G20-Gipfel brannten Arbeiterautos und Arbeiterwohnungen, Polizisten landeten im Krankenhaus.  Von den Tätern ist keiner bestraft worden. Die Opfer halfen sich selbst. So macht man das Mister Trump, du wiedergeborener Dschingis Khan!
Olaf Scholz hat zu mäßigen gewusst. Und du, Trump, schickst Militär! Pfui, pfui und nochmals pfui.





Samstag, 7. März 2020

Mein neues Buch - für den Müll?




Mein neues Buch Hass Entgiftung kann Leben retten. Hass ist eine Betäubungsdroge und gefährlicher als jede andere. Teils wird sie kostenlos geliefert und oft mit dem Argument beworben, sie sei unverzichtbar. Suchtkranke akzeptieren das bereitwillig. Manche sterben lieber, als auf ihre tägliche Dosis zu verzichten und die Entzugserscheinungen zu ertragen. Sie sagen „No no no!“ zu Entgiftungsvorschlägen. Für sie ist mein Buch für den Müll.   

Mittwoch, 4. Juli 2018

Haben wir noch Heimat?



Keinen Staat zu wollen bedeutet, man will Anarchie
Offene Staatsgrenzen stellen ein europäisches Problem dar, dessen Lösung jedoch nur national möglich ist
Schutz der Außengrenzen bleibt Plan, es gibt praktische Probleme
Frontex hat ihren Sitz in Warschau und ist ausgestattet mit 281 Millionen Euro
Das ist 1 % der europäischen Ausgaben für Flüchtlinge
Migranten in unabsehbarer Zahl einreisen zu lassen bedeutet, dass blue collar workers entlassen werden müssen
Denn Migranten sind zu 80 % nicht qualifiziert, Qualifizierung ist nur bei 20 % möglich
Das Recht auf Asyl allerdings ist ein Menschenrecht, wir können als reiches Land viele Refugees aufnehmen. Flüchtlinge sind nicht das Problem.
Problematisch wird unkontrollierte Migration
Die Öffnung unserer Staatsgrenzen bereits in den 90er Jahren bedeutete konkret: Freie Fahrt von Italien an die englische Grenze
Damit wurde der Brexit ausgelöst, den wir jetzt beklagen, da Großbritannien überlaufen wurde von blue collars zunächst nur aus Polen und südosteuropäischen Staaten
Die Vielzahl Unqualifizierter wurde dem englischen wenig qualifizierten Arbeiter und seinem Job zum Verhängnis
Man kann die Flucht aus den afrikanischen Ländern aufhalten: hört auf sie zu bombardieren
Wie kam es dazu, dass die postnationale Ideologie Mainstream wurde
Umvolkung war geplant und gewollt, englisch: replacing the population
Kling irre, doch Ideologien werden geglaubt nicht weil sie wahr sind sondern weil sie gewünscht
Behauptung von mir noch nicht überprüft, vielleicht übertrieben: Wolfgang Schäuble habe in einem Interview mit der ZEIT 2016 von der Gefahr eines Inzest innerhalb der deutschen Bevölkerung gewarnt, falls man keine Blutmischung durch Migranten zulasse
Joachim Gauck soll gesagt haben: deutsch zu sein bedeutet nicht mehr, weiß und christlich zu sein (hierfür wird keine Quelle angegeben)
Falls beide Angaben stimmen, würde die Angst vieler unserer Landsleute um unsere deutsche Identität verständlicher
Vorsicht vor dem üblichen Herunterdeklinieren von abstrakten Begriffen wie deutsche Identität, man kann alle solche Begriffe dekonstruieren, bis sie nichts mehr bedeuten, obgleich jeder fühlt, was gemeint ist
Für mich ein klassisches Beispiel: was ist ein Kriminalroman. Wer einen lesen will, meint nicht Dostojewski oder die Bibel,  obgleich man den Begriff so dekonstruieren kann, dass beide darunter fallen. Im praktischen Leben ist der Begriff aber klar genug, um einen Kaufwunsch in der Buchhandlung zu äußern