Dienstag, 18. Februar 2020

Opium fürs Volk




Der Opiumkrieg gegen China war sehr erfolgreich. Er hat der damaligen Weltmacht England Hongkong eingebracht, sie mussten es erst nach 99 Jahren zurückgeben.
Die aktuelle Weltmacht USA wiederholt das gelungene Beispiel. Anstatt mittels Opium werden die Chinesen durch Desinformation in paradiesische Träume versetzt. Versprochen sind Meinungsfreiheit, Schutz indigener Kultur, Prosperität. Das soll den USA außer Hongkong auch Nordwest-Kasachstan (Xinjiang), Tibet und Taiwan einbringen. Lohnende Ziele! Nach Regierungswechseln bietet einsetzende Anarchie Aufstiegschancen! Fremde Eroberer werden dann gewiss gerne Frieden stiften.


Bericht zur Lage


Zur Lage der Demokratie in Thüringen
Aktuell heute am 18.02.20

Falls die Wähler nicht wieder wunschgemäß entscheiden, könnte Bert Brechts Vorschlag aufgegriffen werden. Die Regierung könnte das Volk auflösen und ein anderes wählen.
Tatsächlich geschieht das ja auch längst, wir nennen es aber nicht Umvolkung – das scheint ein Kampfbegriff aus der Zeit des Dritten Reiches zu sein. Andere Begriffe aus dieser Zeit verwenden wir ohne Bedenken, „Autobahn“ ist vielleicht ein Beispiel. Jedenfalls haben wir uns mehrheitlich entschlossen, nicht nur Flüchtlinge und Fachkräfte aufzunehmen, sondern auch illegal Eingereiste. Das Volk soll dadurch ein anderes werden. Also nicht mehr geprägt durch griechisch-römische Vernunft einerseits, judäisch-christlichen Glauben andererseits. Gottvertrauen durch Vernunft gefiltert sei veraltet. Patriotismus lehnen wir ab.
Wer ist wir? Wir sind mehr! Was wir wollen, ist bunte Vielfalt und nicht braune Einfalt.
Churchill allerdings appellierte an den Patriotismus der Engländer, als er sie zum Widerstand gegen die deutsche Kriegsmaschine aufrief. Auch De Gaulle war Patriot. Viele Widerstandskämpfer meinten, ihr Leben dem Vaterland zu schulden. Allons, enfants de la patrie! rief in Casablanca Victor Lazlo in Ricks Café der Kapelle zu. Und alle sangen mit – außer den Deutschen.

Montag, 17. Februar 2020

„Nazis raus!“ Wirklich wahr?



Adolf Hitler hat aus der Kriegsniederlage von 1918 zwei wichtige Folgerungen gezogen. Die Eroberung der Ukraine musste wiederholt und siegreich abgeschlossen werden. Nur so war die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Lebensmitteln und der eigenen Rüstungsindustrie mit Rohstoffen zu sichern.
Ludendorffs „Alexanderzug“ nach Russland war ebenfalls zu wiederholen. Über Ludendorffs Pläne hinaus musste Russland bis zum Ural unter deutsche Kontrolle gebracht werden. Es war nicht nur „Lebensraum“ für eine wachsende deutsche Bevölkerung zu gewinnen, wie vielfach kolportiert wurde. Vor allem ging es um den Raum, den alle Waffengattungen benötigten, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Nachkriegsdeutschland war zu klein, es konnte von modernen Flugmaschinen in einer Stunde überquert (und bombardiert) werden; das war also zu ändern.

Als „Nazis“ bezeichnen wir heute diejenigen Kräfte, die Hitlers Strategien propagieren und „implementieren“.
Propagiert werden Hitlers strategische Vorstellungen von  allen (sic!) öffentlich zugänglichen und als seriös angesehenen Medien. Durch die ukrainische Tür muss Russland nach ihren Vorstellungen   unter unsere Kontrolle gebracht werden.
Implementiert wird Hitlers Strategie von dem Militärbündnis, dem wir uns angeschlossen haben. Militärische Stützpunkte und Raketenabschussrampen umgeben den gesamten Raum, den wir beanspruchen.

Die Verbrechen, die Hitler als unvermeidbar erachtete, wurden mit seiner Rassetheorie begründet. Slawen waren demnach als „zweifüßige Tiere“ zu behandeln.
Die Verbrechen, die wir Nachfahren als unvermeidbar erachten, bezeichnen wir als Kollateralschäden. Wir rechtfertigen sie mit der These, alle Menschen seien gleich und daher nach unseren Vorstellungen zu regieren.

Hitler rechnete mit Komplikationen. Da auch Polen an der Ukraine interessiert war, musste Polen neutralisiert werden. Das würde Frankreich nicht dulden. Frankreich war daher zu besetzen. Das würde England nicht dulden. Daher war England durch Angebote zu beruhigen.
Den gesamten Raum vom Ural im Osten bis zum Atlantik im Westen unter deutscher Kontrolle zu wissen, musste die USA alarmieren. Ein Bündnis mit Japan war daher ins Auge zu fassen.

Auch unsere Pläne sind auf Schwierigkeiten gestoßen. Zwar haben wir die USA und Japan als Bündnispartner gewonnen. Und Polen ist Mitglied des Bündnisses. Wir könnten sowohl die Ukraine wie auch Russland ohne bedeutenden Widerstand endlich übernehmen. Warum tun wir es nicht?
Hitler stieß auf Budgetschwierigkeiten. Um die Aufrüstung zu finanzieren und die deutsche Bevölkerung ruhig zu halten, musste er die damals noch verbreitete „Judenfrage“ aufgreifen.  Es gelang ihm, die Juden in seiner Reichweite zu berauben.
Wir heute beantworten den Antisemitismus mit Entsetzen. Keinerlei nennenswerten Widerstand leisten wir hingegen den Raubzügen unserer Militärs im Nahen und Fernen Osten. Wir lassen uns überzeugen, dass wir die fremden Völker nicht um ihre Kultur und ihre Ressourcen bringen, sondern sie mit unseren Werten beschenken. Wir nennen es "Verantwortung übernehmen", nämlich für die Beraubten.   
Das ist Mainstream. Er bedient sich der Formeln einer nur wenig modernisierten Goebbels’schen Propaganda und implementiert Hitlers Strategien.

„Nazis raus!“ Wirklich wahr?


Samstag, 15. Februar 2020

Die Vorbereitung unserer Unsicherheit eben jetzt


Einladung zu Revolte und Revolution:

„The formation of states must be an experimental process…And since conditions of action and of inquiry and knowledge are always changing, the experiment must always be retried; the State must always be rediscovered… The belief in political fixity, of the sanctity of some form of state consecrated by the efforts of our fathers and hallowed by tradition, is one of the stumbling-blocks in the way of orderly and directed change; it is an invitation to revolt and revolution.” John Dewey, The public&its problems, S.33f.

John Dewey war ein bedeutender US-amerikanischer Soziologe des 20. Jahrhunderts.
Als alter Münchener fühle ich mich aufgerufen, gerade jetzt - aktuell am 15.02.2020, dem zweiten Tag der sog. Münchener Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof - wo ich einst Eric Ambler interviewt habe - an Dewey zu erinnern. 

Die Einladung in den Bayerischen Hof, der so viele Politiker und Medienleute gefolgt sind, ist gleichbedeutend mit der Einladung, Revolten und Revolutionen in aller Welt vorzubereiten.
Ein Vorgang, der beängstigend wäre, wenn wir uns eingestehen müssten, dass wir nichts dagegen tun.
Mein Beitrag dagegen ist dieser alte, schöne Text von John Dewey (1859-1952). 
Kaum einer der Teilnehmer wird ihn noch kennen, fürchte ich - sonst würden sie nicht so reden, wie sie es tun.




Samstag, 8. Februar 2020

Thüringen – das Kreuz mit dem Kreuz



Wer auf seinem Wahlzettel das Kreuz bei einer offiziell zugelassenen Partei einsetzt, der möchte seine legitime Wahl anerkannt wissen. Ein gewählter Vertreter dieser Partei muss, falls er verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, als Person vom politischen Leben ausgeschlossen werden. Unsere wehrhafte Demokratie sieht das vor.
Nicht vorgesehen ist ein Ausschluss von Parteien oder Personen durch Bürgermilizen, die sich richterliche Befugnisse anmaßen. Wo so etwas üblich wird, herrscht Anarchie.
Solche Milizen wollen rechtsstaatliche Ordnungen abgebaut wissen. Sie wenden sich bewusst gegen das Grundgesetz, das unsere Bürgerrechte garantiert, und finden dennoch öffentliche Zustimmung, weil gerade wieder einmal eine Denunziation mehrheitsfähig geworden ist.
In Frankreich waren das Protestanten (Hugenotten), im Orient sind es häufig Christen aller Bekenntnisse („Ungläubige“), bei uns waren es in meiner Jugend „Juden“ und davor Sozialdemokraten („vaterlandslose Gesellen“) – dann ist der Vorwurf sehr verbreitet gewesen, ein Putin-Troll oder Kreml-Troll zu sein. Das hat bei uns nachgelassen, doch in den USA ist diese Attacke noch populär. Sie ist jüngst gegen Tulsi Gabbard gerichtet worden, die im Offiziersrang an mehreren Fronten gekämpft hat und jetzt gegen die meisten Auslandsinterventionen argumentiert.
Dass die Nazi-Keule in jedermanns Arsenal gehöre, wird aktuell bei uns als legitim bezeichnet. Wer Nazi ist, bestimmt jeder nach eigenem Gutdünken – oder ist es Schlechtdünken? Man kann sich ja auch mal irren! Dann hätte man halt Schuldlosen ins Gesicht gespuckt, das Auto oder Büro angezündet, die Kinder gemobbt. Wie es so geht, wenn Verrohung alltäglich geworden ist.
Und bei uns ist das so. Ist halt passiert. Wir haben nicht direkt geplant, uns auch den zweiten Versuch einer rechtsstaatlich verfassten parlamentarischen Demokratie wegnehmen zu lassen. Ist nur dumm gelaufen. Hat irgendwie keiner gemerkt. Wir waren die Guten und haben die Schlechten bekämpft. Wirklich nur die Juden – nein, die Sozis – nein, die Ungläubigen…die Nazis!
Bin ich jetzt Nazi? Zuvor war ich Putin-Troll. Irgendwer wird mir schon einen Blumenstrauß vor die Füße werfen, dann ist es öffentlich. Und ich weiß dann, nicht wer, sondern wo ich bin.       

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Aus dem Netz gepflückt




Social media put democracy on check by common people
Tribalism is a risk social media bring
To tribalize people is done by populists

Tribalism is created easily by social injustice
when wealth not only means purchasing power,
but the possibility to manipulate the political system
to the benefit of the wealthy

Globalism is a fact
Globalization is misused as ideology:
We have the truth, you have it not

To be at home anywhere is the belief of globalists
To be at home somewhere is a feeling of patriots

Patriots love their country
Nationalists hate foreign countries

To be at home everywhere is an ideology




Montag, 14. Oktober 2019

Peter Handke: Seine Nobelitierung


... Und was mir dazu einfällt 

Leben, Leumund und Freiheit, Eigentum zu erwerben und zu behalten – das sind die grundlegenden Rechte. Im englischen Original: Life, Reputation, Liberty, to acquire property and keep it. Mit diesen kurzen Definitionen ist bestimmt, was Recht ist und was Unrecht, Right or Wrong. Eigentlich reicht das auch schon, findet ein junger Mann aus verarmter amerikanischer Familie mit nur einem Jahr Schulbildung, als er in einem zufällig aufgefundenen Buch über Rechtswissenschaften blättert. Es ist eine ikonische Szene aus den Anfängen des Hollywoodfilms, „Der junge Mr. Lincoln“, Hauptrolle Henry Fonda, Regie John Ford.  
Aber weshalb dachte ich daran, den lange verlorenen Film auf VHS vergangene Woche noch einmal als DVD zu bestellen, und welch glücklicher Zufall bestimmte die Post ihn bereits gestern auszuliefern? Schon dieser Beginn hat mich elektrisiert, ich bat sofort meine Frau dazu und fragte, sei es zu fassen, der Leumund als Grundrecht? Sie fragte nach dem englischen Wortlaut. Ich stellte ihn ein. Nein, kein Missverständnis. Der gute Ruf ist ein Grundrecht. Niemand darf es uns nehmen. Geschieht es dennoch, so ist das Unrecht.
Es durchdringt jetzt (permeates) unser gesamtes Gemeinwesen; ja die gesamte westliche Öffentlichkeit. Und es wird begangen, unentwegt und ständig, von allen sich selbst als seriös bezeichnenden Medien! Ist es nicht so?
Mir selbst ist dieses Unrecht angetan worden. Ich weiss, wovon ich rede. Und damit komme ich, indem ich zu mir komme, zu Peter Handke. 1972 hat er den Schock und Schmerz der Trennung von einer geliebten Frau im Bericht einer Reise durch die USA geschildert, sie endet mit einem Besuch bei John Ford in Kalifornien. Der große Regisseur filmt schon seit Jahren nicht mehr, doch er ist neugierig auf menschliche Schicksale geblieben und hört sich die Geschichte des wendungs- und windungsreichen Dramas, das auch melodramatische Züge aufweist, gerne an.  „Der kurze Brief zum langen Abschied“, den ich in der Erstausgabe durch alle Umzüge mitgeschleppt habe, ist kein Roman, kann eher als Drehbuch gelesen werden. Die Ausgabe liegt jetzt vor mir. Ich war damals aus mehreren Gründen beeindruckt. Einige Zeilen aus dem „Anton Reiser“ von Karl Philipp Moritz sind voran gestellt, es ist ein autobiografischer Roman, den ich bewundere. Und dann hat auch die Problematik mich gefesselt, denn ich ahnte, dass eine ähnliche Trennung mir bevorstand.
In demselben Jahr 1972 veröffentlichte Handke und las ich ein womöglich noch tiefer treffendes Buch, wieder autobiografisch, „Wunschloses Unglück“. Es schildert die Lebensumstände  und, soweit er sie wahrnimmt, auch die Gemütszustände seiner Mutter mit einer beinahe grausamen Genauigkeit, die aber dennoch nie lieblos auf mich gewirkt hat.
Das hat mir nun fast den Atem geraubt. Auch ich war bemüht, meine Mutter so zu sehen, wie sie (1918 geboren) gewesen war. Meine Schwierigkeiten, mich in sie einzufühlen, erschienen mit sehr oft blockiert von Wut und Hass, - andererseits verdankte ich ihr sehr viel. Der Psychoanalytiker, von dem ich mir helfen liess, hatte ein weisses Kissen hinter seinem Kopf, ein schwarzes auf dem Schoss. Er warf mir das weisse plötzlich kommentarlos zu. Verblüfft fing ich es auf. Dann das schwarze. Ich war ratlos, was das bedeutete – bis er fragte: Das schwarze Kissen ist die Aggression gegen Ihre Mutter, das weisse die Liebe zu ihr und Ihre Dankbarkeit. Ich begriff nicht. Er fragte: Sind Sie stark genug, beides gleichzeitig festzuhalten?
Handke war es. Was für eine Kraft!
Später erschienene Bücher von ihm sind mir dann nicht mehr so nahe gekommen. Eigentlich habe ich diesen Kollegen aus den Augen verloren. Bis zu der unerwarteten Nachricht, sie erinnerte mich an ihn. Neugierig auf das mediale Echo, sah und hörte ich mich um. Ich fand Erstaunliches. Beleidigt Stockholm mit der Nobelitierung die Opfer serbischen Terrors?
In der Süddeutschen Zeitung erklärte ein Kommentator bündig, die Jury habe wieder einmal versagt. Handke fügte sich nie, wird vorgebracht, dem Urteil der westlichen Welt, was die Einschätzung Serbiens während der Jugoslawienkriege angeht. „Was erlauben Handke!“, um einen Fussballtrainer zu zitieren, der des Deutschen weniger mächtig war als der Literat.  Der Preis habe nicht etwa nur an einen anderen, moralisch und politisch weniger fragwürdigen Autor, sondern sogar an einen anderen Erdteil adressiert sein müssen!
Ich fand ich die Kompetenzanmaßung zum Lachen. Nicht in Stockholm soll über Preisträger entschieden werden, sondern in München?!
Mir hat die Jury mit der Preisverleihung einen Gefallen getan. Es ist die Erinnerung daran, dass die Zerstörung von Reputation ein Unrecht ist. Und das nicht nur deshalb, weil ich das so deutlich und so quälend empfinde.
Dieses Unrecht zu begehen ist leider tagtägliches Geschäft in den Medien der westlichen Welt geworden. Mit deren routinierter Leumundsvernichtung sollen wir uns abfinden? Gewiss nicht. John Fords Film von 1939 endet mit einer Melodie, die zu den bekanntesten und tröstlichsten in eben dieser westlichen Welt gehört. Während die Fotografie des jungen Mr.Lincoln, Henry Fondas Gesicht also, mit dem berühmten Marmorkopf des Lincoln-Memorials verschmilzt, hören wir  His truth is marching on. Wurde zu Zeiten auch von Soldaten gesungen: His troops keep marching on!
I want to be in that number.