Dienstag, 30. Juni 2020

Überraschende Freude




Ein langjähriger kritischer Beobachter meiner Arbeit hat gemailt:
Hallo Mike,
ich hatte vergessen, auf "Hass Entgiftung...." inhaltlich zu reagieren. Die Präsentation "Die Geburt des deutschsprachigen Kriminaromans aus dem Geist Schwabings" halte ich für absolute Spitze! Daraus könnte man ein Szenario entwerfen, wie Du es bereits in "Philipp Marlowe meets Faustus" getan hast. Also ganz große Literatur!
Bemerkenswert, dass Du die Geburtsstunde des deutschsprachigen Krimis nicht  im sprachlichen und sozialen Milieu des Exils verortest. 
Emmy Ball-Hennings ist nicht nur in der deutschen Kulturszene wieder mal "in".
Die Spanier Fernando González Viñas und José Lázaro  haben eine Biographie als Graphic Novel verfasst, die es seit Jahresanfang auch in deutscher Sprache unter dem Titel "Alles ist DADA" gibt.
Ein umfangreicher Gedicht-Band (Herausgeberinnen Nicola Behrman u. Louanne Burghardt) ist neulich erschienen. Im Wallstein Verlag, 698 Seiten, 38 Euro.

Es war die Ergänzung zu einer Briefpost von meiner Künstler-Freundin Elis K. : 
Das Kuvert enthielt eine Seite der Münchener ABENDZEITUNG vom 20./21. 6. 2020. Sowohl die graphic novel wie die Gesamtausgabe der Gedichte war im Ressort Kultur auf einer ganzen Zeitungsseite angekündigt!
Ein schöner Vers, den ich noch nicht gekannt hatte, fiel mir auf:
Bin eine von den Oftgeküßten
In meinen kleinen Mädchenbrüsten
Auch all dein Leid verborgen ist.

Elis K. hat das Cover meines Büchleins Hass Entgiftung unter Verwendung einer Fotografie von Emmy Hennings gestaltet.





Dienstag, 16. Juni 2020

Schon jemanden denunziert heute?


„Die deutsche Form der Revolution ist die Denunziation“, folgert Gottfried Benn aus seinen Erfahrungen.
Auch ich habe es erlebt, dass ich von einem kultur-revolutionären Eiferer denunziert worden bin. „Hoffentlich wirst du von Putin gut bezahlt“, schrieb mir ein Freund. Ich hatte veröffentlicht, dass die Strategie zuerst Zugriff auf die Ukraine, dann auf Russland, bereits zum dritten Mal in hundert Jahren unsere Außenpolitik bestimmt. Das kaiserliche Heer wollte die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Lebensmitteln sichern, Hitlers Wehrmacht die Energieversorgung ihrer motorisierten Einheiten im Rassenkrieg. Letztlich aber hatten es die deutschen Strategen auf Russland und seine Ressourcen abgesehen.
Der erste Versuch scheiterte an Lenin, der zweite an Stalin, der dritte an Putin. Die drei werden in unseren Medien nicht dafür gelobt, sie werden als verachtenswerte Hassobjekte dargestellt.
Dafür habe ich Belege genannt.
Mein langjähriger guter und persönlicher Freund war zu dem Schluss gelangt, ich müsse mich als Influencer an den Kreml verkauft haben – gutmütig wünschte er mir, dass ich einen guten Preis erzielt hätte.
Zuerst hielt ich es für einen Scherz. Ich habe mich noch nie in meinem Leben als Mitmaul verdingt. Angebote gab es und nötig wäre es auch manches Mal gewesen – aber es kam niemals für mich in Frage.
Darauf schrieb mir der Freund, meine Leugnung sei ja gerade der Beleg dafür, dass ich mich verdingt habe. Als Verbreiter russischer Propaganda müsse ich sogar ganz unbedingt leugnen, in Putins Dienst getreten zu sein.
Er meinte es ernst, der Witzbold.

Und wen habt ihr heute schon denunziert? Donald Trump ist gewiss Kandidat wie jeden Tag, Putin, Assad, Erdogan, Boris Johnson … Und ich, weil ich diesen post ins Netz stelle?


Mittwoch, 3. Juni 2020

Strafrede


Ich würde gerne einmal zusammenschreiben, weshalb ich Donald Trump bekämpfen soll - und das, obgleich ich keinerlei Einfluss auf die Präsidentenwahlen in USA nehmen kann.

Sicher ist Trump vorzuwerfen, dass er noch keinen Krieg geführt hat. Da war Obama doch ein anderer Kerl, er führte Krieg in sieben Staaten. Speziell in Afghanistan zeigte er den Terroristen, wo der Hammer hängt, und steigerte die Truppenzahl auf 50 000 (der surge!). Hat zwar nicht geklappt, aber jedenfalls, die Geste war eindrucksvoll!
Dann seine Administration. Die Außenministerin lachte hell auf, als sie den Lynchmord an Gadafi erwähnte. Falls man sie zur Präsidentin wähle, versprach sie die Zerstörung der syrischen Infrastruktur, um Assad zu demonstrieren, wem er zu parieren habe, jedenfalls nicht dem Russki. Trump hingegen schickte nur ein einziges Mal Cruise Missiles – und es gab nicht mal Tote, nur Trümmer.
Dann diese abwegige Neigung Trumps, Russland als Partner sehen zu wollen! War er mit Putin im Bett?, die Frage ist in USA gestellt worden, von stand-up-comedieans, man macht ja mal einen Scherz.
Und die Frauenfeindlichkeit! Trump hat vor dreißig Jahren in privatem Kreis erklärt, dass Macht sexy mache. Das hat zwar auch schon Henry Kissinger gesagt, aber er hat sich auch sonst als ganzer Kerl erwiesen: Chile, Irak! Allende, Saddam!
Trump hingegen will raus aus Afghanistan, aus Syrien, womöglich aus dem Irak: ein Trauerspiel. Es begünstigt den chinesischen Diktator. Obama hatte es besser gewusst und einen pivot to china angekündigt. Es wurde nichts draus, aber das war noch etwas!
Weit ist es seither gekommen mit dem land of the brave and the home of the free. Man mag gar nicht mehr fortfahren und die übelste Schote am liebsten vergessen: Trumps Homophobie - arglistig versteckt hinter der musikalischen Untermalung seiner Versammlungen: Drei Nummern von Elton John zur Einstimmung! Einstimmung? Irreführung! Aber das schafft er nicht. Er schafft es nicht. Meine Stimme bekommt er nicht im November! Selbst wenn ich einen zweiten Pass in der Schublade hätte, der mir die Bürgerrechte auch in USA garantiert, würde ich Trump nicht wählen!
Als Literat bin ich ein Mann des Wortes, und Trumps Sprache ist so gewöhnlich, dass die Menschen in den fly-over-states ihn verstehen: populistisch drückt er sich aus. Das ist mein Duktus  nicht! Ich liebe das gepflegte Englisch, in dem Hilary Clinton formulierte, die Menschen im Mittleren Westen steckten im basket of deplorables fest und könnten im Wahlkampf übergangen werden.
Anstatt nun naiv zu vermuten, dass die Deplorablen das übel nehmen konnten, neigen wir zu der Auffassung, dass Trumps Schmusebär Putin den Wahlverlust der Kandidatin verursacht haben muss. Es geht hier um Wahrscheinlichkeiten! Hilary hatte 1,2 Milliarden Dollar für ihren Wahlkampf ausgegeben, da konnte sie gar nicht verlieren! Wir verstehen es nicht oder nur im Zusammenhang mit dem Einfluss des Kreml und seiner Trolls.
„You are my sunshine, My only sunshine, you make me happy, when skies are grey!“ So die Staatshymne ihres heimischen Arkansas. MAN HAT UNS UNSEREN SONNENSCHEIN WEGGENOMMEN! Ach was: gestohlen!
Eine vergleichbare Furchtbarkeit erleben wir im aktuellen Wahlkampf. Donald Trump hat Gewaltexzesse am Rand von Demonstrationen der Antifa zur Last gelegt und angekündigt, er werde sie auf die Liste der Terrororganisationen setzen lassen.
Wie man mit den Aktivisten der Antifa richtiger umgeht, hat ein Spitzenmnn meiner Partei, Olaf Scholz, vorbildlich demonstriert. In Hamburg beim G20-Gipfel brannten Arbeiterautos und Arbeiterwohnungen, Polizisten landeten im Krankenhaus.  Von den Tätern ist keiner bestraft worden. Die Opfer halfen sich selbst. So macht man das Mister Trump, du wiedergeborener Dschingis Khan!
Olaf Scholz hat zu mäßigen gewusst. Und du, Trump, schickst Militär! Pfui, pfui und nochmals pfui.





Samstag, 7. März 2020

Mein neues Buch - für den Müll?




Mein neues Buch Hass Entgiftung kann Leben retten. Hass ist eine Betäubungsdroge und gefährlicher als jede andere. Teils wird sie kostenlos geliefert und oft mit dem Argument beworben, sie sei unverzichtbar. Suchtkranke akzeptieren das bereitwillig. Manche sterben lieber, als auf ihre tägliche Dosis zu verzichten und die Entzugserscheinungen zu ertragen. Sie sagen „No no no!“ zu Entgiftungsvorschlägen. Für sie ist mein Buch für den Müll.   

Mittwoch, 4. Juli 2018

Haben wir noch Heimat?



Keinen Staat zu wollen bedeutet, man will Anarchie
Offene Staatsgrenzen stellen ein europäisches Problem dar, dessen Lösung jedoch nur national möglich ist
Schutz der Außengrenzen bleibt Plan, es gibt praktische Probleme
Frontex hat ihren Sitz in Warschau und ist ausgestattet mit 281 Millionen Euro
Das ist 1 % der europäischen Ausgaben für Flüchtlinge
Migranten in unabsehbarer Zahl einreisen zu lassen bedeutet, dass blue collar workers entlassen werden müssen
Denn Migranten sind zu 80 % nicht qualifiziert, Qualifizierung ist nur bei 20 % möglich
Das Recht auf Asyl allerdings ist ein Menschenrecht, wir können als reiches Land viele Refugees aufnehmen. Flüchtlinge sind nicht das Problem.
Problematisch wird unkontrollierte Migration
Die Öffnung unserer Staatsgrenzen bereits in den 90er Jahren bedeutete konkret: Freie Fahrt von Italien an die englische Grenze
Damit wurde der Brexit ausgelöst, den wir jetzt beklagen, da Großbritannien überlaufen wurde von blue collars zunächst nur aus Polen und südosteuropäischen Staaten
Die Vielzahl Unqualifizierter wurde dem englischen wenig qualifizierten Arbeiter und seinem Job zum Verhängnis
Man kann die Flucht aus den afrikanischen Ländern aufhalten: hört auf sie zu bombardieren
Wie kam es dazu, dass die postnationale Ideologie Mainstream wurde
Umvolkung war geplant und gewollt, englisch: replacing the population
Kling irre, doch Ideologien werden geglaubt nicht weil sie wahr sind sondern weil sie gewünscht
Behauptung von mir noch nicht überprüft, vielleicht übertrieben: Wolfgang Schäuble habe in einem Interview mit der ZEIT 2016 von der Gefahr eines Inzest innerhalb der deutschen Bevölkerung gewarnt, falls man keine Blutmischung durch Migranten zulasse
Joachim Gauck soll gesagt haben: deutsch zu sein bedeutet nicht mehr, weiß und christlich zu sein (hierfür wird keine Quelle angegeben)
Falls beide Angaben stimmen, würde die Angst vieler unserer Landsleute um unsere deutsche Identität verständlicher
Vorsicht vor dem üblichen Herunterdeklinieren von abstrakten Begriffen wie deutsche Identität, man kann alle solche Begriffe dekonstruieren, bis sie nichts mehr bedeuten, obgleich jeder fühlt, was gemeint ist
Für mich ein klassisches Beispiel: was ist ein Kriminalroman. Wer einen lesen will, meint nicht Dostojewski oder die Bibel,  obgleich man den Begriff so dekonstruieren kann, dass beide darunter fallen. Im praktischen Leben ist der Begriff aber klar genug, um einen Kaufwunsch in der Buchhandlung zu äußern

Freitag, 25. Mai 2018

Konnte man 1967 schon wissen, was heute geschieht?


Schlag nach bei Konrad.
Alt-Bundeskanzler Adenauer hat 1967 vorausgesagt, was wir ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod erleben.
Klingt unwahrscheinlich, kann jedoch nachgeprüft werden im dritten Band seiner Erinnerungen (Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart 1967). Adenauer sieht voraus, dass wir Europäer – wenn uns die politische Vereinigung misslingt  - „Untergebene“ auch der uns zunächst wohlwollenden USA bleiben werden. Wir würden uns, da kein europäischer Staat allein für sich nach dem Zweiten Weltkrieg noch Großmacht ist, an die Patronage der schützenden Supermacht gewöhnen und allmählich erschlaffen. Das sei gefährlich, weil die USA auf die Dauer überfordert wären und zweitens, weil sie nicht immer dieselben Interessen vertreten wie Europa.
Adenauer sieht im Hintergrund der Weltpolitik zwei nichtweiße Völker aufkommen, Rotchina und Indien. Wir dürften, meint er, keine Zeit verlieren, um unsere europäischen Werte im Weltmaßstab auch dann schützen und wirkungsvoll vertreten zu können, wenn  einmal die USA von ihrer Rolle als Hüter dieser Werte zurücktreten. Als Gemeinsamkeit europäischer Völker  sieht er: den Geist der Griechen und Römer und das Christentum. Geistig sei Europa einig – bei aller Unterschiedlichkeit der Traditionen.
Eine der größten drohenden Gefahren sieht er im Mangel an Vorausschau der Entwicklung, in der „Kleinheit des Denkens“.
Und noch einmal und immer wieder, es dürfe keine Zeit verloren werden. Verpasse man die Gelegenheiten, so werde dieses in seinem Wesen durchaus einige, politisch aber uneinige Europa zur weltpolitischen Bedeutungslosigkeit herabsinken. Dies werde auch wirtschaftliche Folgen haben, warnt er.

Soweit meine Zusammenfassung, sie kann die Lektüre der faszinierenden Eingangskapitel nicht ersetzen. Einige Folgerungen drängen sich mir auf.
Von den zwei Supermächten, die das Ende des Weltkrieges übrig gelassen hat, ist eine inzwischen zusammengebrochen. Die Ursachen waren vor allem: starres Festhalten am globalen Heils- und Hegemonialanspruch, finanzielle Überbeanspruchung der eigenen Möglichkeiten, militärische Unterdrückung von Alternativen – Eroberungskrieg.
Eben diese Fehlhandlungen beobachten wir aktuell von der jetzt einzigen Supermacht. 
Es ist, wie mir scheint, ein Augenblick der Entscheidung für uns Europäer. Bleiben wir „Untergebene“? Oder wagen wir Selbständigkeit und Eigenverantwortung? Können wir es überhaupt noch? Oder sind wir in  den Jahrzehnten der Patronage „mit der Zeit der Erschlaffung verfallen“ (K.A. p. 18)?
Wir alle erleben, mehr oder weniger bang, wie europäische Staats- und Ressortchefs hin und her reisen, wie sie in Moskau, St. Petersburg, Peking und natürlich Washington um Rat und Hilfe bitten und öffentlich erwägen, was möglich und was wohl vorteilhaft wäre. Für uns. Für die Welt.

Dazu fällt mir das Erlebnis eines Schülers von Jean-Paul Sartre ein. Der große Schriftsteller und Philosoph war, aus deutscher Kriegsgefangenschaft entlassen, 1941 nach Paris zurückgekehrt. Er scharte Studenten und Freunde um sich und erwog, wie die Resistance zu organisieren wäre. Es gab bereits zwei Gruppen, die konservative De Gaulles und die kommunistische. Sartre hatte an beiden mancherlei auszusetzen. Er kam zu der Überzeugung, es müsse eine dritte – in sich einige – Widerstandsgruppe gebildet werden. Praktische Versuche in dieser Richtung scheiterten jedoch. Man kam zu keinem Schluß. Sartre nahm Zuflucht zu Veröffentlichungen.

Ein Jahr später führt die französische Polizei in Paris die große Razzia gegen die jüdische Bevölkerung durch. An diesem Tag entschließt sich einer aus Sartres Kreis zum entscheidenden Schritt. Er will sich dem bewaffneten Kampf an der Seite der Kommunisten anschließen.
„Sie schrien nicht, die jüdischen Kinder an diesem Morgen des Jahres 1942. Sie weinten nicht. Sie warteten nur, umzingelt und bewacht. Sie waren da, das war alles. Sie suchten bei keinem Vorbeigehenden Schutz. Und dennoch, ich erinnere mich, wie ich beim Laufen dachte: Ich werde die Herstal-Pistole, die ich Ende letztem Jahres M. geschenkt habe, zurückholen müssen. Ich hoffe, er hat sie gut geschmiert und gut versteckt… Das war meine explizite und ‚praktische’ Antwort.“
(Annie Cohen-Solal, SARTRE, Rowohlt 1988,p. 291).

Es gibt Augenblicke, da definieren wir, wer wir sind, wer wir sein wollen. Ausweichen gilt nicht mehr. 
 

Samstag, 12. Mai 2018

Die EU am Ende?




Blackmailers don't shoot ist der Titel einer frühen Kriminalstory Raymond Chandlers. Doch wer erpresst wird, befindet sich dennoch in einer unheilvollen Situation. Auch wenn der Erpresser nicht gleich schießt, sein Opfer wird entweder den geforderten Preis bezahlen und muss sich auf weitere Forderungen einstellen - oder nicht bezahlen und das angedrohte Übel in Kauf nehmen. Die Europäische Union hat sich in diese Lage manövrieren lassen. Entweder sie zerstört sich selbst, indem sie das Iran-Abkommen opfert und damit ihre Ohnmacht eingesteht, oder sie wird zerstört, weil einzelne Mitgliedsländer ihrer Beziehung zu den USA Priorität einräumen gegenüber der ohnehin gespannten Beziehung zu Brüssel. Die EU hat sich erledigt, fürchte ich. 
Geschlechterkriege sind unsere Form der Befreiung, sind nicht so riskant. Bist du schon Leser*In? 
;-)

Auf fb gepostet 09.05.18