Samstag, 22. August 2020

Praxis und Prinzip

Am 13. September gebe ich meine Stimme für die Wahl der Mitglieder des Rates der Stadt Duisburg ab. In Interviews haben die Kandidaten aller (sic) Parteien sich zu dem Masterplan Digitales Duisburg bekannt, der 2018 beschlossen worden ist. Der Plan kann nur unter Verwendung von 5 G verwirklicht werden, Huawei inklusive.

Ich wähle nicht automatisch die Vertreter der Partei, der ich angehöre – aber diesmal tue ich es. Denn der Spitzenkandidat ist ein Förderer unserer Beziehungen zu China. Duisburg ist eine wichtige Station auf der

Neuen Seidenstraße One Belt One Road. Unser weltgrößter Binnenhafen ist sowohl zu Land wie zu Wasser ein gewaltiger Umschlagplatz für Waren. Zulieferer profitieren bis in benachbarte Regionen hinein. Handel und Wandel gedeihen.

Frühere Verdächtigungen, dass Duisburg ausgespäht wird, sind leiser geworden. Niemand scheint zu glauben, dass Chinesen in Duisburg Jagd auf intellektuelles Eigentum machen oder in  Marxloh auf Techniken der sozialen Integration.

Dass wir in Duisburg für Bürgerrechte eintreten, ist selbstverständlich. Doch treffe ich niemanden, der die bei uns in manchen Vierteln üblich gewordenen Massenschlägereien zwischen Großfamilien, den Drogenhandel im innerstädtischen Kantpark, oder die Geldwäsche in Spielsalons den Bürgern von Hongkong als vorbildlich empfiehlt. Polizeigewalt sicher auch nicht. Polizeigewalt lehnen wir ab. Andererseits ist in meiner Lokalzeitung erklärt worden, eine Polizei ohne Gewalt sei nicht zu haben und ein Staat ohne Polizei auch nicht.

Bei uns ist die Praxis Lehrmeister. VERTEIDIGT NORDSTREAM! fordert die Leiterin des Wirtschaftsressorts meiner Lokalzeitung. und argumentiert: „Ein Unternehmen, das zwischen die Fronten der Weltpolitik gerät, ist der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper. Er ist mit einer Milliarde Euro an Pipeline Nord Stream 2 beteiligt, die Gas aus Russland nach Deutschland bringen soll. Trump behauptet, er wolle Europas Unabhängigkeit sichern. Das ist frech:…“

Harte Worte, doch ohne Zweifel praxisnah. Prinzipiell argumentiert die Zeitung selbstverständlich für unsere atlantischen Freunde und nicht gegen sie. Genau wie ich auch.      

Bleiben wir dabei, dann werden wir wohl nichts falsch machen ;-)

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