Freitag, 29. März 2019

The Company he keeps

Irgendwo in den Tiefen meines Archivs muss sich ein Beleg dafür finden, dass eine US-Zeitung Ende der 40er Jahre meldete, Thomas Mann sei in Gesellschaft des Sängers und Bürgerrechtlers Paul Robeson ertappt worden und damit überführt, fellow traveller der Kommunisten zu sein.
Thomas Mann war in den Fokus des Kommunistenjägers McCarthy geraten und musste befürchten, vor dessen inquisitorisches Subcommittee geladen zu werden. Unter dem zunehmenden Druck leidend, hat er schließlich die USA verlassen.
Dass der Schriftsteller reizbar reagierte, besagt freilich nur, dass er überreagiert haben könnte. Überzeugender ist, was Dwight D. Eisenhower in seinem Buch The White House Years, Mandate for Change über die McCarthy-Jahre berichtet. Nachzulesen in Kapitel 13, in meiner Ausgabe (Heinemann 1963) sind es die Seiten 316-331.
Das Problem der Inneren Sicherheit sei übertrieben worden durch "often baseless charges against many idividuals and groups by Senator McCarthy...McCarthyism took its toll on many idividuals and on the nation. No one was safe from charges recklessly made from inside the walls of congressional immunity. Teachers, government employees, and even ministers became vulnerable. Innocent people accused of Communist associations or party membership have not to this day been able to clear theitr names fully." Sehr prominente und respektierte Persönlichkeiten  hätten darüber lachen können. "But where, without proof of guilt, or because of some accidental or early-in-life associations, a man or woman had lost a job or the confidence and trust of superiors and associates, the cost was often tragic."
Bleibt dann immer noch (SPIEGEL-ZITAT), schreibt mir ein geschätzter Kollege:
„34 Klagen und Geständnisse, die Mueller in den vergangenen Monaten erreicht hat: So wurden 25 Russen wegen Wahlmanipulation angeklagt, darüber hinaus etliche Trump-Berater wegen anderer Delikte (Betrug, Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Meineid). Darunter sind Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn, Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort sowie Ex-Anwalt Michael Cohen. Allein das zeigt zumindest, dass Trump sich lange mit Kriminellen umgab."

Die Stoßrichtung ändert sich. No collusion? Anklagen womöglich grundlos? 
Es ist der Versuch, einen demokratisch gewählten Präsidenten aus dem Amt zu jagen.
Ein Putschversuch also. Und das Unternehmen insgesamt Fake News. Schwindel.
Thomas Mann hat es überlebt. Aber wie stehen die Chancen für die Demokratie, 
wenn aus dem Innern des Kongresses und geschützt durch Immunität Putschisten
aktiv werden?
Wie stehen unsere Chancen, die Demokratie zu bewahren, wenn Gutgläubige
"The Company he keeps" für die Legitimation eines Impeachment halten?
Unsere Mainstream_Medien sind in einem erbärmlichen Zustand. Und wir?