Montag, 24. Dezember 2018

Weihnachten 2018

Ich erinnere mich an einen schönen  Film. Er spielt in England zu einer Zeit, als es dort zuging wie heute etwa in Libyen. Kriegshaufen durchzogen das Land und verheerten es teils im Auftrag, teils in eigener Absicht. Unbeschreibliche Grausamkeit rechneten die Verheerer sich als neuheidnische Tugend zu. Je grausamer, desto tüchtiger für den Überlebenskampf.

König Artus muss die Königskrone erkämpfen, die ihm verheißen ist. Doch ein Heer zu sammeln, ist zunächst nicht möglich. Vorerst hat er mit wenigen Getreuen einen beinah unerträglich kalten Winter zu überstehen. In dem leer gefegten Rückzugsort gibt es nichts zu essen, nichts zu heizen. Einige Getreue trennen sich von ihm, sie glauben nicht mehr an ein gutes Ende. Nur Lancelot harrt bei ihm aus. Plötzlich kommt Parzifal herein und meldet Glockengeläut. Es ist Mitternacht, der Weihnachtstag ist angebrochen.

"Christ ist ist geboren", sagt Artus und bekreuzigt sich. "Er ist geboren", bekräftigt Lancelot und bekreuzigt sich ebenfalls. Er legt dem künftigen König seinen Mantel um. Es gibt wieder Hoffnung.

Ich habe den Film seit Jahren nicht mehr gesehen, die Erinnerung könnte ungenau sein. Ich habe ihn jetzt bestellt, denn mir schien, dass er sehr aktuell ist. Er stammt von 1953 - die neuheidnische SS-Tugend der Grausamkeit habe ich als Kind in Allenstein noch selbst miterlebt. Und beschrieben. Im Kursbuch 45 nachzulesen und in meinem Buch "Begegnungen" (bei Amazon) wieder abgedruckt.

Heidentum ist Mainstream. Unter meinen Facebook-Freunden sind diejenigen in der Mehrzahl, die sich für fortschrittlich halten, weil sie religiös indifferent sind. Dass wir Deutschen als brandneue, schneidige Heiden in unsere Nachbarländer eingefallen sind und dort als Polizei, als Soldateska geraubt, gemordet, verheert haben? Kein Argument, am christlichen Abendland festhalten zu wollen, meinen sie.

Eine liebe Jugendfreundin sagt mir am Telefon, sie glaube nun mal nicht an Heiligengeschichten und brauche auch keine. Zur Festigung ihres Gewissens reiche ihr das Bürgerliche Gesetzbuch. Dass sie  in "failed states" mit unseren Rechtsvorstellungen kaum durchdringen wird, war ihr just nicht gegenwärtig. Seit sie als Kind dem Pfarrer auf der Straße "Gelobt sei Jesus Christus" antworten musste, wenn er "Grüß Gott" sagte, hat sich halt eingeprägt. Nie wieder, hat sie sich selbst versprochen. Sehr verständlich.

Der Film heißt "Die Ritter der Tafelrunde". Er ist prachtvoll ausgestattet, sehr unterhaltend - und sehr aktuell.