Freitag, 4. Oktober 2019

Abschluss-Rechnung (für mein Zeitungs-Abo)



Heute werde ich das Abonnement meiner Zeitung mit der letzten Überweisung beenden. Am 24.10. bekomme ich sie zum letzten Mal. Der mehrheitstrunkene Opportunismus der Berliner Zentralredaktion wird mir dennoch weiterhin begegnen, in so gut wie allen westlichen Medien, gedruckten wie gesendeten. Alle hämmern mir die gleiche Botschaft ein: Ich müsse unentwegt für die Demokratie eintreten – was ich selbstverständlich ohnehin tue. Es ist ja nicht etwa so, als wäre außer einer ganz geringen Minderheit irgendjemand gegen „die Demokratie“. Nur sind viele dagegen, wie sie politisch gehandhabt und ich bin dagegen, wie sie publizistisch vertreten wird. Konkret: Ich traue unseren West-Medien schon lange nicht mehr. Vielmehr gehe ich davon aus, dass alles, was ich von westlichen Medien erfahre, entweder lückenhaft ist – oder direkt falsch.
Wo also informiere ich mich dennoch? Zum Beispiel über CGTN – China Global Televison Network. Bestimmten Formaten vertraue ich, weil ich sie seit Jahren als zuverlässig kenne. Es sind vor allem: The Heat, World Inside, Dialogue, To the Point.
Auch Russia Today International finde ich oft anregend und interessant.
Dass ich alles, was ich dort erfahre, noch einmal überprüfe, ist selbstverständlich. Vieles kann ich googeln und so bestätigt oder in Zweifel gezogen finden.
Die Verleumdung dieser Quellen als Propaganda nehme ich längst nicht mehr ernst. „Propagandized“ fühle ich mich hingegen durch unsere Westmedien, worunter ich vor allem die New York Times und leider auch France 24 zählen muss, sehr schade.
Dass die FAZ und die Süddeutsche gestern zum 70. Jubiläum der chinesischen Unabhängigkeit ganze Seiten mit wüstester Polemik gegen China gedruckt haben und Die Welt sogar eine Schlagzeile, konnte mich nicht erstaunen. Ich war darauf gefasst. Einigermaßen fassungslos machte mich allerdings der Ton der Diffamierungen. Chinas Führung wurde wie eine üble Verbrecherbande beschrieben. Also nicht die Erfolge der KPC wurden bezweifelt, sondern die Art, wie sie erzielt worden seien.
Umgekehrt wird mir – uns allen im europäischen Westen – tagtäglich eingehämmert, wir müssten stolz darauf sein, wie wir unsere Probleme nicht lösen. Das eben bedeute, dass wir unsere Art der Selbstregierung erdweit exportieren und etablieren  müssten. Auch durch militärische „Friedenseinsätze“ wie etwa in Afghanistan. Und nun höre ich heute früh von dem Berliner Fernsehkorrespondenten Wilp, unser Innenminister Seehofer sei mit dem erklärten Auftrag nach Ankara gereist, ein zweites 2015 zu verhindern. Eine Korrespondentin berichtet von der Insel Mythilene (Lesbos), dass dort eine Familie aus Afghanistan seit drei Jahren auf  Zugang nach Europa wartet, vier Kinder, sie verzweifeln. Eines verstümmelt sich selbst: ein Hilferuf?
Unsere Politiker wissen, was sie zehntausenden Menschen zumuten, indem sie ihre Herkunftsländer verwüstet haben und weiter verwüsten. Und was den Bewohnern dieser Inseln zugemutet wird, wenn Olivenhaine zu Zeltlagern werden.
Wie leben unsere Politiker, dies wissend, mit sich selbst?
Und wie leben meine Kollegen aus der Publizistik mit sich selbst, wenn sie Tag für Tag chinesische Kollegen diffamieren, die erdweite Probleme von allen Seiten zu beleuchten gewohnt sind und Lösungen diskutieren?
Warum soll übrigens eine zweite Flüchtlingswelle verhindert werden? Wie leben unsere deutschen Kommentatoren mit sich selbst, wenn sie ausgerechnet diejenigen Oppositionsparteien als unwählbar darstellen, die eine neue Flüchtlingswelle ablehnen und logisch folgernd ständige Kriegszüge ebenfalls?  Meine deutschen Kollegen – sind sie noch irgendeinem Ehrbegriff verpflichtet? Ich kann es nur bei ganz wenigen und nur ausnahmsweise erkennen. Mehrheitstrunkener Opportunismus erstickt dringend nötige Selbstkritik und noch viel dringender notwendende Hilfeleistungen!
Wir leben in finsterer Zeit, das Licht der exklusiv akzeptierten Öffentlichkeit verdunkelt alles.     

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