Mittwoch, 19. September 2018

Wege aus der Gefahr


Bei Erhard Eppler, „Wege aus der Gefahr“, Rowohlt 1981 (sic!!), finde ich folgende Bemerkung:

„Die Partei zehrt, wenn auch immer kümmerlicher, davon, dass 1969 Sozialdemokraten sich aufmachten, Frieden nach Osten zu schließen und die Gesellschaft zu reformieren. Ein Sozialdemokrat bezieht sein politisches Selbstbewußtsein aus dem Anspruch, zusammen mit einer knappen Million von Genossen für Frieden und Reform einzutreten. Lässt sich dieser Anspruch nicht mehr einlösen, so bleibt von der Sozialdemokratie in den achtziger Jahren nur noch ein Gehäuse ohne Inhalt. Man mag das Gehäuse mit allerlei Werbetricks neu streichen, der Zerfall wird dann nicht zu bremsen sein.“ (S. 232 ff.).
Der Zerfall ist eingetreten. Die Mitgliederzahl der Partei ist halbiert. Noch immer trägt die SPD ihre traditionelle Friedensforderung als Parole vor sich her. Unsere Führung unterstützt jedoch Kriege im Ausland, die nicht durch UN-Mandat legitimiert, also völkerrechtswidrig sind! Ein „bis aufs Skelett abgemagerter Reformbegriff“ begnügt sich mit der Forderung nach Gerechtigkeit – geht es nichtssagender?
Die Sozialdemokratie wird durch ihre eigene Führung sabotiert – auf deren Zusammensetzung wir an der Basis nur theoretischen Einfluss haben. Niemand beantwortet meine Wortmeldung anders als durch mürrische Abwehr oder durch Floskeln. Das Abschmelzen der Mitgliedschaft wird durch demografische Veränderungen begründet.
Die Parteiführung verschanzt sich hinter der Trivialität, dass sie vor komplexen Fragen steht. Aber nicht die Fragen sind das Problem, sondern dass unsere Führung keine Antworten wagt. Frieden? Aber wir müssen Krieg führen. Reformen? Aber die Koalition bremst.
Was die aktuelle Affäre um den Verfassungsschutz (Maaßen) betrifft: „There is no trap so deadly as the trap you set for yourself“, schreibt Raymond Chandler.
Die SPD-Führung ist in eine selbstgestellte Falle gelaufen, aus der sie sich nun von Merkel befreien lassen musste.
Ich frage mich, wie lange ich noch so geführt werden will.

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